Deutz 4006 mit TW 35.3 Überholung Eingangswelle

Diskutiere Deutz 4006 mit TW 35.3 Überholung Eingangswelle im Forum Getriebe im Bereich Allgemeine technische Fragen - Dies soll ein Bericht zur Überholung der Simmeringe und Lager an der Eingangshohlwelle an meinem Deutz 4006 werden. Ich werde das in Etappen...
D

d006

Beiträge
40
Likes
3
Dies soll ein Bericht zur Überholung der Simmeringe und Lager an der Eingangshohlwelle an meinem Deutz 4006 werden.

Ich werde das in Etappen machen, so wie ich halt voran komme. Bis jetzt habe ich erstmal nur demontiert und einen ersten Eindruck gewonnen.

Nachdem ich Anfang des Jahres eigentlich vor hatte das Getriebe an meinem 4006 zu revidieren bzw. eigentlich im Wesentlichen mal die Ölleckagen zu beseitigen, hat es dann jetzt doch noch bis in den Sommer gebraucht.

Nachdem ich den 4006 nun getrennt habe, konnte ich mir im ersten Anlauf die Dichtungen mal genauer von der Stirnseite des Getriebes ansehen. Die Dichtung von der Vorgelege- bzw Kegelradwelle war schön dicht. Aber an der Dichtung (Simmerring) an der Eingangshohlwelle konnte man schon durchschauen. Der Abstand zwischen den Resten vom Simmering und der Eingangshohlwelle ist ca. 1-2 mm breit. Das erklärt mir jedenfalls erstmal ausreichend, warum ich an der Bremswelle Ölaustritt habe ;).

Unangenehm aufgefallen ist mir dann noch, dass sich die komplette Eingangshohlwelle per Hand nach oben und unten und zu den Seiten bewegen lies - die Lager schienen also auch einen Weg zu haben. Deshalb habe ich anschließend beschlossen, mir den Rest von Getriebe auch mal anzuschauen und den Kraftheber auch gleich mit demontiert. Hinten rum scheint aber alles erstmal gut auszusehen.

Nach Demontage der Welle für die Zapfwelle habe ich als nächstes angefangen die Eingangshohlwelle auszubauen. Das Ergebnis war, dass mir erstmal die Reste von einem Nadellager entgegen kamen. Im weiteren Verlauf kamen mir im Grunde alle Lager auf und in der Eingangshohlwelle in Einzelteilen entgegen. Die Einzelteile waren zwar alle soweit noch vorhanden (Nadeln, Rollen und entsprechende Käfige) aber die Toleranzen waren zwischenzeitlich so groß, dass ohne entsprechenden "Druck von außen" der Zusammenhalt nicht mehr gegeben war. Etwas aufwendiger war es dann, durch Zählen sicherzustellen, dass nicht zufällig irgendwelche Nadeln oder Rollen aus den Lagern sich zwischen die Zähne des Getriebes versteckten.

Nachdem ich die Eingangshohlwelle ausgebaut hatte, habe ich mich schon etwas gewundert, dass das Getriebe überhaupt noch etwas gemacht hat.

Bei der ersten flüchtigen Inspektion der einzelnen Elemente auf der Eingangshohlwelle war ich angenehm überrascht das keine weiteren kapitalen Schäden erkennbar waren. Lediglich die Zähne an der Schaltmuffe für den 3. und 4. Gang waren erkennbar um ca. 2 mm abgearbeitet. das erklärt auch, warum der 4. Gang nicht mehr mitspielen wollte.

Auf der Seite zum 3. Gang war die Schaltmuffe zwar auch nicht mehr jungfreulich, hat aber ja noch ihren Dienst verrichtet.

Ich habe dann eher aus Zufall, die Schaltmuffe verkehrt auf die Welle zurückgeschoben und habe noch etwas damit rumprobiert. Als mir auffiel, dass ich die Schaltmuffe verkehrt herum eingebaut hatte, fiel mir ebenfalls auf, dass dies offensichtlich zumindest scheinbar funktioniert - die Schaltmuffe also keine Einbaurichtung zu haben scheint. Der Effekt ist, dass jetzt der 3. Gang nicht mehr funktioniert, der 4. Gang dafür aber zu funktioniern scheint. Ich spüre jetzt beim manuellen Verschieben der Schaltmuffe auf den 4. Gang einen Widerstand beim Überwinden der Synchronringe und die Schaltmuffe hält dann auch in der Verzahnung des Synchronrings. Der jetzt "defekte" 3. Gang verhält sich wie der "ehemals defekte" 4. Gang - die Schaltmuffe läßt sich ohne Widerstand über den Synchronring schieben und auch wieder lösen, hält also nicht in der Verzahnung des Synchronrings bzw. des Gangrades. Das erklärt für mich ausreichend den seinerzeit schon, in anderen Beiträgen von mir, festgestellten und diskutierten Effekt, dass sich der 4. Gang nicht hielt bzw. nur unter starken Druck auf den Schalthebel nutzen ließ.

Die Frage dies sich mir hier stellt ist, ob ich mir, für den Fall, dass ich keine Schaltmuffe zum akzeptablen Preis finden kann, ich mir vielleicht lieber den 4. Gang statt dem 3. Gang wieder einbaue ;). vielleicht kann mir ja jemand aus Erfahrung bestätigen, dass die Schaltmuffe keine Einbaurichtung hat und ich das im Zweifel so machen könnte.

Ich habe ausserdem beschlossen, alle Lager auf der Eingangshohlwelle auszutauschen und hätte da auch noch eine Frage. Nach Auskunft meines LaMa-Händlers sind die beiden Rollenlager, welche unglücklicherweise auch noch mit einer Rille für eine Sprengring ausgestattet sind, mit netto etwa 120 Euro echt teuer. Da ich den Trecker im Wesentlichen zum rumkutschieren meiner Nichten und Neffen und ansonsten noch für ein bißchen Brennholz im Winter nutze, war meine Idee, mir Standardrollenlager ohne Rille zu holen und die Rille für den Sprengring in einer Dreherei anbringen zu lassen. Mein LaMa-Händler meinte, das würde aufgrund der Härte nicht gehen. Habt Ihr damit ggfs andere Erfahrung machen können, bzw. kann mir jemand vielleicht eine preiswertere Bezugsquelle für die nötigen Lager nennen? Am besten passen würde jemand im Bereich Köln-Düsseldorf oder ein kompetenter Online-Händler.

Ausserdem wäre ich im Zweifel daran interessiert, wenn jemand zufällig noch eine gut brauchbare Schaltmuffe zu verkaufen hat.

Bilder von der abgerockten Schlatmuffe folgen in Kürze.

Beste Grüße

Michael

20150716_190943s.jpg20150717_134226s.jpg
 
Seppo

Seppo

Moderator
Beiträge
1.117
Likes
49
Hallo, ja das kennt man ja auch.
Dann will man nur die eine Sache beheben, dann taucht noch eine weitere Baustelle auf....


(Ich hab dir mal ne PN geschichkt)
 
D

d006

Threadstarter
Beiträge
40
Likes
3
hier dann, wie versprochen, die Bilder von der Schaltmuffe - welche sich letztlich als Übeltäter herausgestellt hat.

Bild 1 zeigt die komplette Schaltmuffe mit der "schlechten" Seite:

20150721_195930s.jpg

Bild 2 zeigt dann die "gute" Seite der Schaltmuffe im Detail:

20150721_200007s.jpg

Bild 3 zeigt die "böse" Seite der Schaltmuffe, da geht nur noch mit echter Gewalt ein bißchen was ...

20150721_200017s.jpg
 
Zuletzt bearbeitet:
D

d006

Threadstarter
Beiträge
40
Likes
3
Eines der beiden Rollenlager hat ja zusätzlich eine Nut für einen Sprengring und ist deshalb m.E. unanständig teuer :).

In einem anderen Thread (Überholung Antriebshohlwelle 4005/06, 40L / 40.2, Teil 1) gibt es den Hinweis, dass man das Lager auch gegen das Standardlager NUP207(ECP) tauschen könnte und sich einen anständigen Dreher suchen soll, der sich ein paar Meißel an der gehärteten Aussenschicht des Lagers kaputtfahren soll um die Nut in das Lager zu bekommen. So einen Dreher hätte ich im Zweifel. Das Problem ist aber, dass das Lager NUP207 von den Maßen her nicht auf die Wellle paßt. Das NUP207 hat die Maße 35x72x17, das Originallager aber 40x72x18. Den fehlenden einen Millimeter mehr Stärke könnte ich mir ja theoretisch noch vorstellen durch eine Beilagscheibe zu füllen, bei 5mm zu wenig Innendurchmesser bin ich aber am Ende mit meinen Ideen.

Auch wenn der erwähnte Thread viele interessante generelle Information enthält, müßte man einschränkend hinzufügen, dass der Tip mit dem NUP207 wohl nicht für die synchronisierten Getriebe TW 35.3 und TW35.4 gilt.

Vielleicht kann mir ja jemand einen Tip geben, wo und wie ich einigermaßen günstig an die beiden Rollenlager 230-1896 und 230-1897 komme.

Gruß Michael
 
D

d006

Threadstarter
Beiträge
40
Likes
3
So, gestern Nachmittag habe ich dann alles wieder soweit zusammengebaut. Weiter verwendet habe ich die alte Schaltmuffe - als neues Ersatzteil sollte die Schaltmuffe ca. 800 Euro zzgl MwSt kosten, was wirtschaftlich völliger Unsinn gewesen wäre ...

Eingangs hatte ich ja vermutet, dass sich die Schaltmuffe ggfs auch "verkehrt" herum einbauen ließ, es also keine Einbaurichtung geben würde. Das hat sich als wahr herausgestellt, jedenfalls habe ich jetzt einen perfekt laufenden 4. Gang - ich bin mit dem Ergebnis erstmal sehr zufrieden.

Was ich ebenfalls empfehlen kann, ist der Austausch aller Federn und 8mm Kugeln im Umfeld des Schaltgestänges - das Getriebe schaltet sich in allen Bereichen jetzt wieder extrem "knackig" und präzise. Ich hatte zwar keine echten Schwierigkeiten die ich auf abgenutze Federn bzw Kugeln zurückführen würde, der Komfortgewinn durch präzises Schalten ist aber jedenfalls für mich als weicher Faktor die 10 Euro für die Federn und Kugeln mehr als wert gewesen.
 
Thema: Deutz 4006 mit TW 35.3 Überholung Eingangswelle

Ähnliche Themen

Ein halber Deutz: Instandsetzung Porsche Diesel 219

Deutz 4006 Differentialsperre reparieren - aus vermutetem Totaldisaster wird eine Kleinigkeit - ein Erfahrunsgbericht

Ein "Neuling" bittet um freundliche Unterstützung

4006 4. Gang TW 35.3 geht nicht rein bzw hält nicht

D 30/D 30 S Deutz D30s und seine Wehwehchen

Oben