Schaltprobleme am restaurierten D15

Diskutiere Schaltprobleme am restaurierten D15 im Forum Getriebe im Bereich Allgemeine technische Fragen - Hallo Zusammen, ich würde lieber von einer erfolgreichen Probefahrt berichten, aber aktuell hakt es noch im Getriebe beim D15 mit ZF A-4. Die...
motorschrauber

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Bei meinem D15n1 Bj. 64 klappt das Hochschalten nur geräuscharm wenn die Motordrehzahl noch nicht zu hoch ist. Ich fahre im 2. Gang an und schalte zeitig hoch. Runterschalten geht gar nicht geräuschlos. Das kann auch an mir liegen. Zwischengas bekomme ich wohl nicht so richtig hin.
 
Hiemel

Hiemel

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Hallo Zusammen,
Ich hatte jetzt den Getriebedeckel auf. Zahnräder sind ok, alle Gänge lassen sich von Hand (ohne weiteres Werkzeug) gut schalten.
Ich konnte weiter keine Schäden erkennen.
Anschließend habe ich LM Ceratec eingefüllt und wieder zu gemacht.
Eine richtige Probefahrt steht noch aus, weil ich auf der Straße im Dunkeln nicht mehr fahren konnte. Ich habe aber einen ersten Eindruck beim Fahren auf dem Hof und nun funktioniert das Hochschalten von 1 in 2 (und von 2 in 3 ging auch vorher).
Dass so große Unterschiede durch Öl und/oder Außentemperatur entstehen, hätte ich nicht gedacht. Das Runterschalten kann ich erst bewerten, wenn ich wieder auf der Straße fahre.

Zudem finde ich die Beiträge sehr interessant, die auf die Drezahl der Eingangswelle Zielen. Die Kupplung trennt sauber und schnell, aber was ist beim runterschalten optimal? Eine leicht laufende, lange nachlassende Eingangswelle? Oder eine schnell stillstehende Eingangswelle?

Gruß
Hiemel
 
H

Holder B25

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Wenn der Deckel ab war und jetzt wieder drauf und es funktioniert dann lag ich glaub ich doch nicht so verkehrt 😉.
Irgend einen Defekt hast du wahrscheinlich unbewusst behoben.
 
krammerreini

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aber was ist beim runterschalten optimal? Eine leicht laufende, lange nachlassende Eingangswelle? Oder eine schnell stillstehende Eingangswelle?
Servus Hiemel,

beim runterschalten ist eine leicht laufende Welle besser. Eine stillstehende Eingangswelle führt definitiv zu Problemen.
Man muss sich dazu einfach mal gedanklich ins Getriebe versetzen:
Situation 1 runterschalten. Wird in der Regel nötig an Steigungen, wenn der Motor nicht mehr genügend Kraft in der momentan gewählten Übersetzung aufbringt und die Drehzahl des Motors (und damit gleichzeitig der Eingangswelle) absinkt. Jetzt wird ausgekuppelt. Der Traktor fährt mit (zumindest kurzzeitig) annähernd der gleichen Geschwindigkeit weiter. Im neuen, kleineren Gang dreht der Motor bei ebendieser Geschwindigkeit des Traktors wieder deutlich höher. Also muss versucht werden, die Eingangswelle und damit das Zahnrad des kleineren Ganges auf die, nach dem Schaltvorgang anliegende Drehzahl gebracht werden, damit die beiden Zahnräder auf annähernd gleiche (synchrone) Drehzahl kommen um geräuschlos ineinander zu greifen.
Beim synchronisierten Getriebe übernehmen die Synchronkörper diesen Job.
Bei unseren unsynchronisierten Getrieben ist das Gefühl und die Erfahrung des Fahrers gefragt. Optimal wäre es, nach dem herausnehmen des größeren Ganges die Kupplung einzurücken (loszulassen) um den Kraftfluss zur Eingangswelle wieder herzustellen und dann einen Gasstoß zu setzen (Zwischengas genannt), der die Eingangswelle auf genau die benötigte Drehzahl (vom neuen, kleineren Gang) zu bringen, anschließend wieder auskuppeln und den Gang geräuschlos einlegen, einkuppeln und weiter gehts.
Soweit die Theorie. In der Praxis spielen da sehr viele Faktoren mit wie eben die Öltemperatur, die Stärke der Steigung, die Anhängelast, der Schaltzeitpunkt bzw. die Schaltdrehzahl, und vor allem die Trägheit der Motoren. Bei starken Steigungen erreichen die Motoren die nötige Drehzahl erst, wenn die Fuhre schon steht.
Grundsätzlich würde ich zum runterschalten raten, den Motor möglichst weit runter kommen zu lassen, also eher spät zu schalten.

Situation 2 hochschalten. Wir haben den Gangwechsel in den kleineren Gang erfolgreich geschafft, jetzt ist der Hügel zu Ende und die Motordrehzahl steigt wieder. Also Kupplung treten, Gang raus nehmen. Im Getriebe dreht sich nach dem Schaltvorgang die Eingangswelle im höheren Gang bei gleicher Fahrgeschwindigkeit langsamer als vorher. Ein Zwischengasstoss wäre in diesem Fall eher kontraproduktiv, da die Eingangswelle ja nicht beschleunigt sondern eher abgebremst werden muss. Dieses abbremsen geschieht in der Regel durch das Öl und damit mehr oder weniger von selbst. Unterstützen kann man die Verzögerung der Eingangswelle durch erneutes einkuppeln. Da wir ja beim schalten den Fuß vom Gas nehmen fällt die Motordrehzahl nach dem ersten auskuppeln und während des Gang-rausnehmens annähernd auf Leerlaufgrehzahl ab. Somit hilft beim hochschalten das sogenannte Zwischenkuppeln, aber ohne Gasstoss.

Wie man sieht, ist es eigentlich ganz einfach, wenn man mal gedanklich verstanden hat, was im Getriebe beim schalten vor sich geht.
Die Praxis lehrt uns aber, das nur üben, üben und nochmals üben hilft. Die allgemein eher niedrigen Geschwindigkeiten bei unseren Oldietraktoren machen uns das schalten nach Lehrbuch eher schwer. Bei alten Lkw kann man sich an Tacho und Drehzahlmesser gut orientieren, da weiß der efahrene Pilot, bei welcher Geschwindigkeit welcher Gang welche Drehzahl braucht. Und wenn die Fuhre noch mit 50 rollt, hat man halt mehr Zeit für die Zwischengasgeschichte als bei 10 km/h.

Bei meinem F2L612/54 und den Vorgängern F1L514/51 hat es immer gut funktionert, wenn ich schon relativ früh hoch und relativ spät runterschalte. Aber wie gesagt, jede Steigung ist anders, die Anhängelast variiert und selbst unter optimalen Bedingungen kratzt es auch bei mir noch gelegentlich im Getriebe.
Schalten ist kein Geheimnis könnte man dann sagen. Oder eben so tun als hätte man den Hinweis "lautlos schalten" falsch verstanden als "laut losschalten".

Viel Spaß beim üben und Erfahrung sammeln wünscht dir und allen Fahrern von unsynchronisierten Getrieben
der Reini
 
F

FahrM66Tfan

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Guten Morgen,

Ja Hiemel. Das Ceratec kann so schnell nicht wirken. Es muss sich erst im gesamten Getriebe auf den Bauteilen einlagern. Es hilft dabei vor allem alten Wälzlagern auf die Sprünge und verringert die Reibung an den Zahnflanken. Aber die Zähflüssigkeit des Getriebeöles beeinflusst die Schaltbarkeit. Ist auch irgendwo logisch. Stelle mal ein Glas Honig in den Kühlschrank und eines erwärmst Du im Wasser auf der Herdplatte. Danach rührst Du mit einem Teelöffel in den Gläsern. Wo lässt sich der Löffel leichter bewegen?

Früher im Winter ließen sich die Gänge auch nur zäh schalten. Hatte man dann die ersten vier oder fünf Furchen gepflügt ging es wieder normal.

Friedrich
 
A

ackerschiene

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Runterschalten ist bei einem Einzylinder Diesel natürlich niemals problemlos. Der Motor braucht viel zu lange, um die benötigte höhere Drehzahl zu bekommen, bei der man mehr oder weniger geräuschlos einen kleineren Gang einlegen könnte. Entweder möchte man am Berg runterschalten, bis aber die Motordrehzahl passt, steht der Schlepper schon fast, dann ist der eigentlich gewählte Gang schon wieder zu groß. Oder man möchte bergab runterschalten, in der Zeit, in der man auf der Kupplung steht, um Gas zu geben, rollt der Schlepper immer schneller und die zum leichten Schalten benötigte Drehzahl steigt deshalb dabei immer weiter an, sodass man nicht hinterher kommt. Damit muss man halt leben.
Deshalb gab es ja früher die Regel: Fahre einen Berg in dem Gang hinunter, in dem Du ihn auch hinauf fahren würdest. Man hat sich früher VOR dem Berg entschieden, welchen Gang man brauchte, nicht mal eben so mittendrin. Dafür sind diese Getriebe nicht gedacht.
Aber natürlich musste auch damals ein Schaltvorgang ohne schlimmes Krachen und Kratzen unter guten Voraussetzungen (also ohne Berg) möglich sein. Das ist in der Regel einfach verschleißbedingt. Ich hatte schon einen unsynchronisierten Schlepper, bei dem musste ich sofort nach dem Anfahren hochschalten, sonst kratzte es, einen anderen kann ich beim Hochschalten wie einen Pkw fahren.

Gruß, Uwe
 
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FahrM66Tfan

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Das bezieht sich vor allem auf Einzylinder Viertakt Diesel.

Friedrich
 
Hiemel

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So, nach der ausführlichen Probefahrt kann ich folgendes Berichten:

-Hochschalten geht gut
(anfangs ging von 1 nach 2 nicht)
-Runterschalten geht mit Zwischenkuppeln und Zwischengas (ohne geht garnicht)

Der D15 ist so gut fahrbar und das Schalten mit Zwischengas macht aus Spaß (zumindest um Flachen 😀 ). Ich meine nach wie vor, dass es vor der Restauration (im Sommer) deutlich besser ging, aber ich lasse es jetzt so.
Trotzdem habe ich bedenken, weil ich das/die Lager der Eingangswelle nicht gewechselt habe und befürchte, dass Verschleiß zur Verschlechterung Beitragen kann. Ich habe den Getriebedeckel aber wieder zu und sehe auch keine Möglichkeit, wie ich das im Eingebauten Zustand prüfen kann. Nach Gehör beim "von Hand drehen" geht schlecht, da die geradeverzahnten Zahnräder auch nicht leise sind.

Egal, so lässt sich der D15 für mich gut fahren und jetzt kommt die Elektrik, damit ich zum TÜV kann.

Was ich noch garnicht nicht erwähnt habe, was aber auch einen Einfluss haben könnte ist der nun eingebaute Schnellgang in den Portalachsen. Der D15 läuft jetzt ca. 30kmh, das heißt der Kleine geht gut ab und ich komme auch gut voran, wenn ich nicht 2300rpm fahre. Bin gespannt, bis zu welcher Steigung er Berg hoch durchzieht.

Grüße von der Mosel
Hiemel
 
motorschrauber

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Dann werden die Schaltschwierigkeiten wohl von der veränderten Übersetzung herrühren. Die Zahnräder und Wellen haben bei gleicher Motordrehzahl jetzt bei getrennter Kupplung vermutlich andere Geschwindigkeiten.
 
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FahrM66Tfan

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Guten Tag,

Genau das wird der Grund sein, warum der sich jetzt schwieriger oder eben anders schalten lässt. Da hilft nur üben.

Friedrich
 
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ackerschiene

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Wenn allerdings die schnelle Übersetzung nur in den Portalgetrieben verbaut wurde, ändert sich m.E. nichts an Drehzahlen und Drehzahlverhältnissen von Motor oder Getriebe, nur die Räder des Schleppers drehen sich schneller. Aber Hauptsache es funktioniert jetzt.
Gruß, Uwe
 
Thema: Schaltprobleme am restaurierten D15

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