Die tägliche Arbeit auf dem ländlichen Dorf anno dazumal

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SimonS

SimonS

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Hallo zusammen,

in den folgenden Zeilen möchte ich etwas beschreiben, was für viele Selbstverständlich ist, da sie es damals als Kinder erlebt haben und für die anderen etwas völlig neues ist, da in der Stadt geboren und aufgewachsen sind oder schlicht und einfach zu jung sind - das Landleben und die tägliche Arbeit anno dazumal.
(Bei uns im Südwesten)

Warum haben die meisten Schlepper der 50er und 60er Jahre des 20. Jahrhunderts nur um die 10 - 30 PS, warum ist in vielen ländlichen Dörfern vor jedem Haus ein "Misthof", warum gibt es Ackerwagen aus Holz, warum war das bäuerliche und ländliche Leben so anstrengend und stimmt das überhaupt? Der nachfolgende Bericht soll versuchen die Fragen nach meinem besten Wissen und Gewissen zu beantworten.

Wer heute an eine Landwirtschaft und Bauern denkt, hat Traktoren jenseits der 300 PS, GPS-Steuerung und den Einsatz von Drohnen im Kopf. Doch vor gar nicht all zu langer Zeit war in vielen Dörfen des Südwestens eine völlig andere bäuerliche Struktur üblich. Ich habe das Glück einerseits ein Haus aus der damaligen Zeit mein Eigen zu nennen, andererseits Großeltern gehabt zu haben, die selbst bis in die 1990er Jahre eine Bewirtschaftung wie eben anno dazumal betrieben.

Das Bauernhaus
Zentrum allen Handels und wichtigster Ausgangspunkt war das Bauernhaus. Bei uns ein Haus aus den Jahre 1822, welches 1933 aufgestockt und 1956 umgebaut wurde. Unter dem Haus und in Richtung Dorfstraße war der Stall. Dort wurden Kühe, Schweine, Gänse und Hühner gehalten. Direkt angrenzend war der Misthof und das Sudlloch. Im Keller Richtung Hang, wurden Vorräte gelagert, wie z.B. Kartoffeln und Rüben. Hinter dem Haus gab es einen reichen Gemüsegarten, heute ehr als Bauerngarten bekannt. Ziel war es so viele Lebensmittel selbst am Hof herzustellen wie nur irgend möglich. Im Dachboden wurde das Korn für die nächste Aussaht gelagert. Das nachstehende Bild zeigt mein Haus in den 1950er Jahren (Zustand wie 1933). Von der gegenüberliegen Scheune habe ich noch keine Aufnahme finden können.

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Futterversorgung
Die Mitunter wichtigste Aufgabe war das Versorgen der Nutztiere. Zum einen mit frischem Gras zum anderen mit Stroh für den Stall.
Die nachstehenden Bilder zeigen den Einsatz der Muskelkraft und des ersten Traktors meinen Opas, ein Güldner (vermutlich Modell Spessart mit 15 PS).
Ausgestattet mit Messerbalken ersetzte der Schlepper das ziehen des Anhänger anstatt mit Kühen. Verwendet für die Mahd wurde immer nur die Sense, warum, ganz einfach, wurde ja schon immer so gemacht. Die nachfolgenden Bilder zeigen die Futtergewinnung.

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Zwischenanekdote
Neulich im Ort erzählt mir ein Mann um die 60 Jahre alt folgende Gegebenheit: Er kenne mein Opa noch aus Kindertagen, also vor gut 50 Jahren. Mein Opa fuhr mit seinem Schlepper und meiner Oma samt Anhänger Richtung Wiese zum Futter holen und sah den Mann, damals ein Kind auf der Straße spielen. Mein Opa hielt an, sagte "Komm mit auf den Anhänger zur Wiese". Auf der Wiese angekommen legte mein Opa einen kleinen Gang ein und setzte den Bub ans Steuer. Oma und Opa luden das gemähte Futter auf den Wagen. Heute? Vermutlich Kindesentführung und Fahren ohne Fahrerlaubnis - schlicht unvorstellbar.


Ernte
Die Ernte, wichtiges Ereignis, welches den Einsatz der ganzen Familie erforderte, u.a. haben wir deswegen in den Bundesländern unterschiedliche Ferienzeiten, da die Kinder zu Ernte zwingend Schulfrei brachten. Alles war damals "knallharte" Arbeit und Aufgabenverteilungen. Stundenlang unter schweren Bedingungen auf dem Felde zu sein. Keine Klimaanlage auf Mähdrescher (der gehörte allen Bauern im Ort zusammen oder wurde gemietet). Stroh per Hand auf den Wagen, Rüben ebenfalls per Hand auf den Wagen... Hier ein paar Bilder:

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was noch so anfiel...
Das Futter vorne in die Kuh rein, hinten der Mist raus... und das nicht zu knapp. In jedem Ort roch/stank es. Aber auch die Verwertung der Tiere am Hof war üblich.
Hier einfach mal ein paar Bilder vom Schlachten aufm Hof und Dung aufladen. Bis in die 1960er Jahre führ mein Onkel den Mist und das Sudlfaß mit der Kuh aufs Feld, warum? Der Traktor war einfach zu schade dafür.

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Der Schlepper
Eigentlich ja eine Landwirtschaftliche Zugmaschine und das war sie auch. Der Traktor ersetzte das Ziehen eines Wagens oder den Maschinen, bzw. des Pflugs durch die Kuh. Deshalb genügten sehr wenige PS und wichtigstes Anbaugerät war die Ackerschiene. Dort ließen sich alle normal mit der Kuh gezogenen Maschinen, wie bspw. der Kartoffelroder befestigen. Pferde gab es kaum im Ort und diese waren A zu wertvoll und B schlicht zu einseitig, gaben ja kaum Milch und hatten trotzdem Hunger, da war die Kuh schon besser. Dementsprechend wendig musste der Traktor sein, da weder am Hof, noch auf dem Feld Platz war. Das Feld war ja nur so groß, dass es mit der Kuh zu bewirtschaften war. Gott sei dank hat mein Opa, ich glaube in den 1960er Jahren auf Deutz umgeschwenkt. Bis zum Schluss war er ein überzeugter Deutz Fahrer und am Güldner hat er kein einziges Gutes Wort gelassen. Auch Anbaugeräte, wie wir sie heute kennen gab es fast keine, es fehlte schlicht immer am Geld. Hier der Deutz, ebenfalls beim Futter fahren im Juni 1985:

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Fazit
Ich hoffe ich konnte euch darstellen und der Nachwelt etwas von diesem Kulturgut aufzeigen, welches heute quasi ausgestorben ist. Denn wie auch bei meinem Opa, war bei den Meisten in den 1990er Jahren oder früher Schluss. Das oben beschriebene primitive und einfache Landleben war bis vor circa 50-60 Jahren in jedem Ort üblich. Mir selbst macht die sehr schnelle Entwicklung Sorgen. Vor 5000 Jahren (in Mesopotamien) bis circa 1950 wurde Ackerbau ähnlich dem oben aufgezeigten Methoden mit Kuh oder kleinem Traktor und menschlicher Muskelraft durchgeführt. Kleine Felder und nur soviel, dass es zum Leben genügt. Heute, Weizen aus Osteuropa, Mais aus Übersee und das alles in Mono-Kulturen, frei nach dem Motto es gibt nur ein Gas - Vollgas - im Bezug auf Profit und Ausbeute unserer Erde. Es soll nun aber kein schlechtes Wort über die Bauern bei uns sein. Nur letztlich hatte die Natur 5000 Jahre lang die Möglichkeit sich zur Bewirtschaftung zu entwickeln und jetzt hat sich binnen 50 Jahre alles verändert - wer kommt da noch mit? Ich selbst habe eine Streuobstwiese, die ich wie anno dazumal bewirtschafte und möchte ebenfalls das Haus in einer gewissen Tradition vorführen. Vielleicht mache ich da ein Thema draus, mal schauen.

Wer jetzt noch mehr und bessere Beschreibungen des Landlebens möchte empfehle ich:


Ich wünsche euch einen schönen Abend,

Simon.
 
Holzhilde

Holzhilde

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Hallo Simon,
komme selber nicht direkt aus der Landwirtschaft, aber meine Mutter (75. Jahre) ist aus einem ähnlich kleinen Betrieb und da war es fast genau so wie du es beschreibst. Ich bin fast 44 Jahre alt und kann mich noch an viele kleine Betriebe in unserem Dorf erinnern, die zu meiner Kindheit noch so arbeiteten wie du es erzählst. Ich habe zwei Onkel von väterlicher Seite, die seit Anfang der 50er Jahre sehr viel fotografiert haben und so das Arbeiten und Leben in meinem Heimatdorf wunderbar auf Bildern festgehalten haben. Diese Bilder anzuschauen ist immer ein Erlebnis, zumal einer der beiden Onkel damals eine Landwirtschaftslehre auf einem größeren Hof machte. Der Hof war ein Vorzeige-Betrieb auf dem damals viel experimentiert und ausprobiert wurde, sehr viele neue Anbaugeräte und Arbeitsmethoden probiert und wieder verworfen wurden. Der Bauer war auch Gründer der "Maschinenbank" was der Vorläufer der Maschinenringe war, leider ist er Anfang der 60er Jahre bei einem tragischen Unfall mit einer neuen Heutrocknungsanlage ums Leben gekommen.
Ich habe es mir schon oft gedacht, so wie du es schreibst, mit der schnellen Entwicklung. Meine Eltern 75. und 76. Jahre alt, haben genau diese Entwicklung miterlebt, von der Kuh die als Zugtier den Pflug ziehen mußte und abends noch Milch geben sollte, und jetzt rauscht der Fendt Vario mit 50 km/h durchs Dorf um dann mit GPS gesteuerter Lenkung kerzengerade seine Furche auf dem Acker zu ziehen. Und das alles in den eigentlich wenigen Jahrzehnten!
Schön das du das so beschrieben/erzählt hast:thumbsup:

Grüße Martin
 
Kuhlerter Deutzer

Kuhlerter Deutzer

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Hallo Simon,

erst einmal vielen Dank für Deinen sachlichen Bericht und die tollen alten Fotos dazu.
Ich stamme aus einem landwirtschaftlichen Betrieb, mein Onkel hatte auch einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb. Beide Betriebe gibt es nicht mehr.
Ich kann das, was Du schreibst, uneingeschränkt bestätigen.
Und ich habe mir auch schon viele Gedanken gemacht über das Tempo in der "modernen" Landwirtschaft. Wo soll das hinführen ? Ich weis es nicht.
Noch vor 60 Jahren waren die Landwirte autark und konnten sich selber helfen.
Heute gibt es eine Menge Abhängigkeiten. Dafür ist der Lebensstandard höher.
Wer will beurteilen was erstrebenswerter ist ?

Grüße sendet Philipp
 
geessen

geessen

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Hi,
schöner Beitrag, so kenn ich das auch noch ein bischen. Bei uns wars noch so daß 5 meiner 6 Onkel/Tanten Landwirte waren.
Gruß
Bernhard
 
Norbert Spiegel

Norbert Spiegel

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Sehr schöne Bilder, sehr schöner Bericht, da werden Erinnerungen wach. Überwiegend Handarbeit, Mistaufladen ( das habe ich 1x gemacht, Junge hatte ich Blasen an den Händen) Nach dem Dungwagen kam der erste 2,5 Tonner Miststreuer, Heuwender, Rüben das war sehr arbeitsintensiv (säen, hacken, vereinzeln, hacken, hacken mit Hackrahmen, rausrupfen, köpfen, aufladen per Hand, auf Miete packen, Blätter zu den Kühen fahren, Miete zudecken).
Mit Kühen bin ich nicht mehr gefahren, hatten dann einen 11er Deutz der leider verschrottet wurde weil er gerade in der Erntezeit kaputt ging. Dann kam ein F2L612/5 den wir heute noch haben.
Auf den Fotos sieht man z.B. eine Streuobstwiese die kamen dann alle weg weil das Mähwerk und der Wender dran hängen geblieben ist, entweder ist der Baum verreckt oder er kam wegen Platzbedarf weg wer mal mit einem ORION zwischen den Bäumen rumgefahren ist war froh wenn mal Platz war..
Bodenverdichtung war auf den Bildern auch noch kein Thema. Nach Betriebserlaubnis für die Anhänger hat da auch keins gefragt. Ging auch so und wir sind damit alt geworden.
Ja, ja, die gute alte Zeit in Bildern festgehalten, Klasse.

Gruß Norbert
 
F

FahrM66Tfan

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Guten Morgen,

Danke für den schönen Bericht.

In der Landwirtschaft ist da seit den 1960 er Jahren viel aus dem Gleichgewicht geraten. Mit dem politischen Programm, wachse oder weiche, wurde der Grundstein dafür gelegt, wo wir heute sind. Es werden Anbauflächen dafür genutzt, um Mais für die Energiegewinnung anzubauen, weil der dadurch erzeugte Strom inklusive der dafür ausgelobten Subventionen gewinnbringender ist als der Anbau von Getreide zur Lebensmittelerzeugung und profitabler als die Haltung von Milchkühen und Erzeugung von Milch sowieso. Dann wundert man sich, wenn in Kriegszeiten die Lebensmittelpreise steigen und es zu Engpässen in der Versorgung kommt. Heute gibt es Lebensmittelwerbung, wo Fleisch von sogenannten Strohschweinen angeboten wird. Ein Strohschwein ist ein Schwein, dass auf Stroh gehalten wird, also dem Tierwohl zuspricht. Damals hätten man sich gewundert, warum man da von Strohschwein spricht. Man hätte sich gefragt, was es sonst noch für eine Haltungsform geben soll? Das Leben damals war für Landwirte viel härter, für Nutztiere wesentlich besser. Heute ist es umgekehrt.

Friedrich
 
patsche

patsche

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Hallo Simon,

ich habe ähnliche Erfahrungen wie dein Großvater, mit meinen Großeltern und Eltern erlebt.
Alle Familienmitglieder hatten damals in einem Wohnhaus (heute hieße es Mehrgenerationshaus) aus den 1880 iger Jahren erbaut, zusammen gelebt.
Alle in der Landwirtschaft bis zum Renten- oder besser Ruhestandsalter tätig gewesen.

Ich selbst bin nur auf Grund meiner damals ermöglichten Lehre, in einem technischen Bereich später groß geworden.

Aber habe bis heute mit meinen fast 68 Jahren doch als Kind und heran wachsender Bube alles
noch richtig so erlebet wie du es so schön beschrieben hast.

Wir hatten in den Anfangsjahren in der Zeit um 1927 , nach der Übernahme des Bauernhofes vom Urgroßvater (nach Aussage durch meinen Großvater) allmählich den Betrieb durch Zukauf von Flächen erweitert.
Meist 2 Pferde und im Stall bis zu 20 Kühe, Kälber wurden bis in den 60 iger Jahren gehalten.
Pferde für kleine Flächen zur Bewirtschaftung (Garten, Felder bis 0,5 ha) waren dafür genutzt worden. Als Beispiel zum Kartoffeln behäufeln.
Ab dem Jahr 1927 bis 1939 wurde der erste Schlepper ein HL12 Lanz Bulldog.
Der aber durch den 11er Deutz Baujahr 1939 abgelöst wurde.
In dem kleinen Ort wo ich her komme waren es die einzigen Schlepper bis in den 50 iger Jahren zu dieser Zeit nach dem 1.WK.

Ja und so kann sicherlich jeder ein paar Erinnerungen und schöne Erlebnisse aus der eigenen Kindheit hier einbringen.
Ich hatte übrigens erst mit 8 Jahren den 11er Deutz fahren dürfen.
Solange war ich als Pimpf nicht so richtig an die Kupplungspedale gekommen.
Und Klötzer unterbinden wie ich es von Kumpels kenne hätte mein Großvater, Vater
ganz sicher nicht zu gelassen.

Beste Grüße
patsche
 
100er

100er

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Das Leben damals war für Landwirte viel härter, für Nutztiere wesentlich besser. Heute ist es umgekehrt.
Kann ich so nicht bestätigen. Wir haben seit gut 200 Jahren einen Milchviehbetrieb. In den 60ern wurde ein neuer Stall gebaut nach damaligen Standards. Niedrige Decke, damit verbunden stickige/feuchte Luft, natürlich Anbindehaltung, wenig Sonne..
Beim "Umräumen" von Rindern brauchte man immer viel Zeit, die meisten waren ja monate- oder jahrelang keinen einzigen Schritt gegangen und mussten sich daran erst wieder gewöhnen. Fünf Meter weiter am neuen Platz durften sie dann wieder stehen bleiben.

Vor ein paar Jahren durften die Tiere jetzt in den neuen Laufstall. Vorher Tier neben Tier neben Tier, jetzt haben sie so viel m2 Platz pro Kuh, dass wir den Biostandard erfüllen könnten wenn wir wollten.

Strohliegeboxen, reichlich Bewegung, Kratzbürsten, Luft, Sonne, Auslauf nach draußen (Südseite),..
Der alte Stall dient jetzt nur noch als Lagerplatz und das ist auch gut so.

Die "gute alte Zeit" wird immer gerne romantisiert und das mag auch in vielen Aspekten so stimmen, aber in den letzten Jahrzehnten hat sich auch einiges getan fürs Tierwohl. In den Medien ist natürlich der Augenmerk immer besonders auf irgendwelchen "Massenfabriken", schwarze Schafe, die den Ruf anderer damit mit ruinieren.

Es gibt auch noch eine Stufe zwischen (Achtung:Übertreibung!) 'biologisch arbeitenden Bio-Bergbauern' und 'alles mit RoundUp totspritzenden Massenbetrieben' , doch die werden leider oft vergessen. Was wären das auch für Schlagzeilen? "Landwirte gehen normal ihrer Arbeit nach und beachten dabei alle Gesetze und Vorlagen, alles in Ordnung", würde sich ja niemand anhören.. :D

Grüße
100er
 
Deutz45nullfuenf

Deutz45nullfuenf

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Moin,

danke Simon für deinen schönen Beitrag.
Da vielen genau diese Kenntnisse fehlen können Sie auch die Anforderungen bzw. die Arbeitsweise der modernen Landwirtschaft nicht nachvollziehen und zeigen einem den Vogel wenn man mit der Pflanzenschutzspritze zum Feld fährt.

Die Verbraucher wurden 30-40 Jahre nicht mehr "mitgenommen" und kennen es nicht mehr, wie die Produkte produziert werden.

Aktuell ist so viel Bewegung im Markt wie lange nicht mehr. Die Preise gehen rauf und runter, die Strategie der Politik verhält sich ähnlich.
Schauen wir mal wo die Reise hingeht.
 
Ackerfahrer

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Hallo

Noch etwas zu Kinderarbeit in dieser Zeit.
Wir hatten auch damals einen eher kleineren Betieb.
Der kleine Schlepper war ein 18PS F2 612.
Der große Schlepper ein D 40 N 35Ps

Es gab auf dem Rübenacker noch keine Spritzmittel.
Alles wurde mit dem Schlepper "geschuffelt".
Da musste ich ran. Damals 9Jahre alt. Ca. 1965.
Hinter denm 18er wude die "Schuffelmaschine" angehangen.
Vater saß auf einen Sitz hinten auf. Er konnt die Maschiene
mittels Lenkrad seitlich verschieben. So wurden einige Hektar Rüben
gereinigt. Das ging anfangs auch gut. Nur hatte ich mich damals unsterblich in eine Klassenkameradin verliebt. In Gedanken an ihr wurde die Fahrspur immer
mehr aus der Reihe. Nicht nur das ich über den Rübenbestand fuhr, nein Vater konnte die Maschine nicht mehr ausrichten und unterschaufelte einzelne Rüben.
Jedesmal ein mächtiges Geschimpfe. Meine Gedanken waren trotzdem wo anders.
Plötzlich, wieder mal so, rief er: halt an und komm herunter. Es gab eine mächtige SCHELLE die mich für den Rest des Tages wach hielt.
So war das früher.
 
Kuhlerter Deutzer

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Hallo Gereon,

hat sich die Schelle für die Verliebtheit in Deine Klassenkameradin gelohnt ?
Mir ist sowas ähnliches auch mal passiert.
Ich habe, auch so mit 9 oder 10 Jahren, auf einen Schulkameraden, den ich besonders sympatisch fand, gewartet. Er hatte eine Schulstunde länger Unterricht. Ich wollte ihn auf seinem Nachhauseweg begleiten und mit ihm erzählen.
Dadurch kam ich eben eine 3/4 Stunde später als gewohnt zu Hause an.
Meine Mutter war so erbost, dass sie einen großen hölzernen Küchenlöffel auf mir
zerschlug. Das war auch "gute, alte Zeit". Das wäre heute eine strafbare Handlung.

Gruß, Philipp

P.S. Mein Schulkamerad ist einige Wochen später mit seinen Eltern in eine andere Gegend umgezogen. Schade.
 
Ackerfahrer

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Hallo Gereon,

hat sich die Schelle für die Verliebtheit in Deine Klassenkameradin gelohnt ?
Einige Zeit später habe ich mich mit ihr verabreded. Sie liebte es in der Schlagkarre hinter dem Traktor mitzufahren.
Nur meine Mutter gefiel das nicht ,daß ich mit einem Mädchen befreundet war.
Nachher hat sich alles zerstreut.
 
Kuhlerter Deutzer

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Hallo Gereon,

vielen Dank für Deine Rückmeldung.
Ja, früher bedurften freundschaftliche Beziehungen immer der Genehmigung der Eltern.
Wenn ich sehe, wie zwanglos meine Enkel mit Freunden und Freundinnen umgehen, kann ich nur neidisch werden.
Mein Enkel Max, heute 9 Jahre, wurde schon mit 5 Jahren vor den Augen der Erwachsenen von zwei Mädchen im gleichen Alter links und rechts auf die Wange geküsst.
Ich bin vor Neid fast zerflossen. Die Erwachsenen habe nicht geschimpft, sondern sich amüsiert. Das fand ich gut.

Gruß, Philipp
 
F

FahrM66Tfan

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Guten Tag,

In Deutschland war es ja sogar noch bis vor ca. 100 Jahren so, dass man sich als Mann und Geschweige denn als Frau jemanden zum heiraten nicht immer aussuchen konnte, den man wirklich liebt. Da gab es noch die Heirat als Zweckgemeinschaft, vor allem auf dem Lande. Damit meine ich jetzt nicht die steuerlichen Begünstigungen, die eine Heirat heutzutage mit sich bringt. Da ging es vor allem um Ländereien. Ein Bauerssohn heiratete eine Bauerstochter und umgekehrt. ;)

Friedrich
 
D

DX-Driver

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Hallo Simon,

herzlichen Dank für diesen Beitrag.:thumbsup:
Damit hast Du bei mir wieder sehr viele Kindheitserinnerungen geweckt.
Ich komme zwar nicht direkt aus einer Landwirtsfamilie, aber ich bin in einem Bauernhaus geboren und aufgewachsen. ( wir wohnten dort zur Miete )
Traktorfahren lernte ich, wie schon von Dir beschrieben, beim Heu- bzw. Stroh holen.
Da wurde ich ganz einfach ans Steuer gesetzt, mit der Ansage, den Traktor samt Anhänger zwischen den Maden zu halten, später auch kleinen Ballen.
Ich habe laut der Aussage meiner Eltern das Traktorfahren so schnell gelernt, das ich noch vor meinem ersten Schultag einen Einachs-Anhänger rückwärts in eine Hofeinfahrt rangieren konnte. Ich selbst kann mich daran nicht mehr erinnern.
Im Laufe der Zeit habe ich so ziemlich alle Arbeiten, die mit einem Traktor gemacht werden auch selbst gemacht und das immer mit voller Begeisterung und bis heute.
Meine Lieblingsarbeit war aber das Zuckerrüben roden.
Zuerst mit einem Rustika im 2 Mann-System, später dann mit einem von Kleine.
Leider sind diese Zeiten längst vorbei.
Noch eine Anmerkung zum Thema Menschlichkeit in dieser Zeit:
Mir ist schon bewußt, das sich die Zeiten geändert haben, aber damals wusste jeder in unserem Ort, das ich keinen Führerschein hatte, wenn ich als 10jähriger mal wieder mit dem Traktor durch die Ortschaft gefahren bin.
Aber mehr als ein wohlwollendes Lächeln gab es nicht.
Wenn ich mit vorstelle was da heute los wäre :cursing::evil:😈💀☠️

Es grüßt euch alle der DX-Driver
Reiner
 
buddyholly

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Thema Menschlichkeit in dieser Zeit:
Hallo,

die Menschlichkeit ist das eine. Ja, bestimmt wurde "damals" einiges lockerer gesehen als heute. Aber man muss halt auch zugeben, das der Verkehr an sich deutlich zugenommen hat. Dann ist es ein Unterschied ob da ein D30 mit 20 km/h tuckert, oder 200 PS mit 30 Tonnen und 40 km/h vorbeidübeln.

Ich könnte mich nicht erinnern das ich ohne Führerschein auf der Straße unterwegs war, auch wenn ich zu den meisten unsrer Flächen nur ca. 500m durch den Ort muss. Mein persönliches "Früher" bzw. vor-Führerschein-Zeitalter ist aber auch erst knappe 30 Jahre her.

Und gerade zum Thema "Tierwohl", die gerne romantisch gesehen kleinen Ställe von "Früher". Mein Vater hat erzählt, das die engen dunklen Höhlen im Winter noch jede Ritze mit Stroh zugestopft wurde das ja keine Luft reinkommt. Anbindehaltung etc.
Ein ordentlich geführter moderner Stall bietet mit Sicherheit mehr Tierkomfort. Leider gibt es halt auch immer die schwarzen Schafe die dann das Medienbild prägen.

Aber generell finde ich die Bilder auch toll, wüsste nicht das ich aus eigenem Bestand so viele alte Bilder hätte. "Fotografier nicht soviel, auf dem Film sind nur 24 Bilder! Und was das kostet zu entwickeln!" Dafür hat man dann 2 Jahre später gesehen, das man auf dem 70. Geburtstag von Tante Anni nen Haufen verkorkste Bilder gemacht hat....

Gruß, Holger
 
D

DX-Driver

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Hallo Holger,

selbstverständlich sind die heutigen Großtraktoren nicht mit denen von damals zu vergleichen.
Ebenso hat der ganze Verkehr deutlich zugenommen.
Aber, es gibt auch heute noch Ortschaften mit einem ähnlichen Verkehrsaufkommen wie früher.
Und es fahren auch heute noch genug D30 und ähnliche wie damals.
Viele Landwirte haben ihre alten Schätzchen immer noch und bewegen die auch ab und an.
Neid und Missgunst findest Du aber heute an jeder Ecke.
Solche Fahrten, wie ich sie damals machen durfte wären heute garantiert nach wenigen Metern beendet, weil das bestimmt irgendjemand nicht passen würde.
Eine Anzeige mit entsprechendem Tam Tam wären die folge.
Seinerzeit gab es für den Bauer ein Protokoll in Höhe von 5 DM und die Sache war gegessen.
Solange nicht ernsthaftes passierte war man da sehr großzügig.
Auf dem Acker hat das eh niemand interessiert wer da am Lenkrad gesessen hat.
Auch das ist heute ganz anders.
Bilder von damals habe ich leider gar keine, die existieren nur noch in meinem Erinnerungen.
Aber über das Erlebte könnte ich so manche Zeile schreiben.

Grüßle Reiner
 
W

Werder014

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Moin,

@SimonS Der Güldner müsste ein Tessin (20 PS) oder ein Burgund (25 PS) sein.

Für mich, als jemand der diese Zeit nicht miterlebt hat, sind diese Berichte übrigens äußerst interessant!

Grüße
Henrik
 
Ackerfahrer

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Hallo

Ich möchte noch eine kleine Geschichte von früher erzählen.
Nichts besonderes, aber ich find sie nett.
1967 hatte mein Vater einen gebrauchen D 40N gekauft. Er hatte einen
Frontlader. Das war der Hauptgrund. Er war jetzt der Große und der 18er der Kleine.
Zum Pflügen nutzte Vater immer noch den 1-Schar Rabe Kipppflug.
Der reicht mir. da wird der Traktor spielend mit fertig.
Oje, wenn wir durchs Dorf fuhren hatte ich mich geschämt. 35PS und ein 1 Scharpflug.
Vater war damit zufrieden. Ich nicht.
Auf jeden Fall, Vaters Freund hatte einen Eicher ED 26 mit 2 Scharpflug.
Papa können wir uns den mal leihen und ausprobieren? Nee, der langt mir so!
Wie wir das nächste mal beim Freund waren fragte ich frecherweise: können wir deinen 2 Scharpflug mal geliehen haben.
Er sagte: Das wollte ich euch immer schon gesagt haben das ich ihn euch mal leihe.
Geschwind angebaut, eingestellt und abgefahren.
Mann was war ich stolz, ein 2 Scharpflug. Das hatte nicht jeder.
Vater merkte das er beim Pflügen fast doppelt so schnell fertig war.
Anderen Tags wurde der Einschar gegen einen 2-Schar eingetauscht.
Die Welt war für mich wieder in Ordnung.
 
100er

100er

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Für mich, als jemand der diese Zeit nicht miterlebt hat, sind diese Berichte übrigens äußerst interessant!
Da kann ich mich nur anschließen. So kurze Geschichten und Anekdoten sind immer schön zu lesen. Ich bin auch ein Stück zu jung um selbst sowas noch erlebt zu haben.
Zwei, drei Fotos haben wir Gott sei Dank aus der Zeit.

Eine kleine Geschichte zum Thema Riesenmaschinen heutzutage, das Thema gabs schon immer:

1959 kauften wir unseren ersten Traktor, einen Lanz 2416 mit Fritzmeier Verdeck, Hydraulikblock, Kriechgang und Tiefschnittmähbalken. Ausgeliefert wurde er im Winter/Frühjahr 1960.
Fast alle anderen Landwirte im Dorf hatten zu der Zeit 12er und 16er Traktoren anderer Marken.

Als wir dann mit dem 24er über Wiesen und Felder fuhren spottete (ungelogen) fast das ganze Dorf über uns, da wir mit dem schweren 24er den Boden zu stark verdichten würden und nichts mehr wachsen würde. Lasst euch das auf der Zunge zergehen und denkt dabei mal an moderne Agrarfahrzeuge (auch wenn die Bereifung natürlich mitgewachsen ist).

Das beste passierte aber ein Jahr später, als einer der Spotter seinen neuen Miststreuer zu groß für den IHC gekauft hatte. Natürlich waren wir so hilfsbereit und spannten unseren "mächtigen" 2416 vor, der die Arbeit ohne Probleme erledigte ;).

Grüße
100er
 
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