Bewirtschaftung Streuobstwiese

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SimonS

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Hallo & Guten Abend,

in diesem Bereich, des einfach absolut genialen Deutz-Forum, möchte ich vorstellen, warum ich mir überhaupt einen Deutz 3006 angeschafft habe.
Zudem möchte ich hier praktische Tipps und Anregungen, für die Abreiten auf einer Streuobstwiese geben.

Wie schon in meiner Vorstellung beschrieben, habe ich einiges an Streuobstweise über Umwege von meiner Familie übernommen.
Nun möchte ich im Folgenden erläutern, warum ich dieses Hobby so gerne ausübe und auch meinen Zweizylinder als treuen Partner hierfür schätze.
Für mich steht eine nachhaltige Bewirtschaftung an erster Stelle, denn eine Streuobstwiese ist eine ganz besonderer Lebensraum. Mittlerweile sind die Obstwiesen auch ein immaterielles Kulturerbe der UNSECO.
In Summe habe ich circa 5000 qm an Fläche zur Verfügung. Aktuell bewirtschafte ich 1800 qm davon, den Rest ist als Weide verpachtet oder liegt brach. Mittelfristig plane ich eine Rekultivierung aller Flächen zur Streuobstwiese.
Bei der Bewirtschaftung habe ich die ersten Jahre immer meinem PKW und Anhänger für alle Arbeiten verwendet. Mit der Konsequenz, das Auto sieht ständig aus "wie Sau".
Mit dem Deutz ist das alles kein Problem, der lässt sich auch mit Gummistiefeln und Dreck-Schuhen locker fahren und noch viel leichter putzen - HD-Reiniger - fertig.

Mein verwendetes Equipment:
- Deutz 3006
- Auwärter 600 kg Anhänger mit Bordwanderhöhung
- Agria 5300 Balkenmäher
- Rechen (groß und klein) von SHW-Friedrichstal
- Mist-/Heugabel von SHW-Friedrichstal
- Felco Rebschere
- Felco Astsäge
- weitere Standard Gartengeräte, wie Schaufel, Pickel und Hacke.

Die Bewirtschaftung einer Streuobstwiese ist ein sehr schönes Hobby, da es einerseits das Ganze Jahr etwas zu tun gibt, andererseits nichts zeitkritisch ist. So kann man immer auch mal in den Urlaub fahren und muss, anders als beim Gemüsegarten, nicht ans gießen denken.
Ganzjährige arbeiten bedeuten konkret von der Ernte und Pflanzung neuer Bäume im Herbst, über einen Schnitt im Winter, Sommerschnitt und Wiesenmahd im Sommer und und und...

Hier nun aber ein Ausblick. Ich werde die nächste Zeit, Wochen und Monate noch weitere Beiträge zu diesem Thema verfassen und zeigen, was ich alles auf meiner Streuobstweise so mache.
Hierbei sei aber gleich noch geschrieben, ich bin kein Profi und wie so oft im Leben, es gibt nicht immer den Königsweg.
Ich beschreibe deshalb meine Abreiten wie ich diese, immer unter der Maßgabe Nachhaltigkeit, durchführe.

Ich wünsche allen eine gute Zeit und bin gespannt wie sich dieser Beitrag entwickelt,

Simon.

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PS: Ich habe einen Beitrag zum Pflanzen neuer Bäume Vorlauf, bald veröffentliche ich diesen hier.
 
Deutz45nullfuenf

Deutz45nullfuenf

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Moin Simon, da freue ich mich drüber.

Wir haben hier in Norddeutschland ja nicht die klassischen Streuobstwiesen wie bei euch. Aber früher gehörte zu jedem Bauernhof auch eine Obstwiese, meistens als Schweineweide (also Auslauf für die eigenen Schweine) genutzt.
So eine Wiese haben wir. Ca. zehn der ursprünglichen Bäume sind noch da.
Insgesamt haben wir aber mittlerweile über 60 Obstbäume, Fläche wohl auch gut 5000m².
Dieses Jahr war der Ertrag schon amtlich. Einige der Bäume, die 2013 gepflanzt wurden haben schon richtig stark getragen. Gut 500kg haben wir mosten lassen.

Viele im Dorf erfreuen sich an unseren Äpfeln, die wir aktuell immer noch an der Straße gegen eine Spende anbieten.

Wir kriegen so viele positive Rückmeldungen, das die so gut schmecken. Da freue ich mich schon auf die nächste Ernte!
 
SimonS

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Die Pflanzung neuer Obstbäume

Auch Obstbäume leben wie wir Menschen nicht ewig, deshalb ist es abundzu erforderlich neue zu pflanzen.
Ich fange diesen Beitrag philosophisch an, denn auch wenn Bäume nicht unendlich halten, sind es Pflanzen, die meist mehrere Generationen mit Obst versorgen und oft vererbt werden.
Deshalb sollten alle Arbeiten sehr gewissenhaft und genau ausgeführt werden, denn die Pflanzung ist die Grundlage des ganzen Lebens des Baums.

Die wichtigste Vorüberlegung ist die Auswahl der Sorten. Bei uns im Main-Tauber-Kreis stellt das Landratsamt hierzu eine Liste zur Verfügung. Meist beraten aber auch die Baumschulen über die Sorten.
Eine weiter wichtige Überlegung ist die Auswahl der Stammart, hier steht für Streuobst meist Hoch- oder Halbstamm zur Verfügung. Ich selbst entscheide mich, so für mein Obst verfügbar immer für Halbstamm Bäume.
Ausschlaggebend ist für mich die Größe. Ich habe einfach keine Lust bei einem Hochstamm eine Leiter mit 10 Metern höhe zu verwenden, da habe ich einfach zuviel Respekt. Beim Halbstamm kann ich alle Pflegearbeiten in für mich erträglichen Höhen durchführen.
Noch ein Tipp für die Beschaffung der Bäume. So möglich immer die Bäume von einer Baumschule aus der Nähe des geplanten Pflanzstandort wählen. Grund, die vorgezogenen Bäume wachsen besser an, wenn diese nach dem umpflanzen eine ähnlichen/gleichen Boden vorfinden.

Ich habe mich konkret für neuen Obstbäume entschieden:

- Apfel: "Roter Boskoop"
- Apfel: "Topaz"
- Apfel: "Gewürzluike"
- Apfel: "Brettacher"
- Apfel: "Pinova"
- Birne: "Gräfin von Paris"
- Zwetschge: "Hauszwetschge"
- Kische: "Hedelfinger Riesenkirsche"
- Nuss: "Walnuss" (Hochstamm)

Neun Bäume habe ich gepflanzt, da ich genau hierfür den Platz habe. Ich empfehle einen Pflanzabstand von 10 Metern von "Baum zu Baum" in alle Richtungen.
Theoretisch gingen auch min. 5 Meter. Aber Bäume brauchen Luft und Licht. Bei zu engen Abständen neigt es gern zur Pilz- und Faulerkrankungen.
Hierzu habe ich mit einen Maßband und Baunadeln/Laternenhaltern alles im Vorfeld abgesteckt. Eine "Flucht" soll es ja auch haben.

IMG_4364.jpg

Beim Pflanzen der einzelnen Bäume ist nun Muskelkraft gefordert. Ich habe die Bäume "Wurzelnackt" gekauft, dementsprechend habe ich
1. ein 40x40x40 cm Loch mit dem Spaten ausgehoben.
2. den Pfahl einzuschlagen. Ein Einschlagen im Nachgang kann die Wurzel des Baums beschädigen. Ich nutze gern meine Pfahlramme, Ausrichtung Ost/Südost (Hauptwindrichtung),
3. den Baum ins Loch, mit Erde auffüllen (so sehr Lehmhaltig einen Bodenaustausch durchführen) und gut festtreten,
4. den Baum mit Kokusschnur anbinden (doppelte liegende Acht und Aufwickeln).
5. Verbissschutz am Baum platzieren. Bei Wühlmausplage Hasendraht um die Wurzel.
6. Das ganze gut angießen und den Sitz der Schnürung prüfen. Es sollte nichts wackeln, dann kann der Baum gut anwachsen und der Wind reist nicht ständig die Haarwurzeln ab.

Meine Wissen habe ich von der Baumschule, dem internet (insbesondere YouTube), sowie Fachliteratur. Apropos Baumschule, dort gibt es i.d.R. alles was man zum pflanzen Braucht, Schnur, Pfähle etc.
Im Frühjahr gilt es den Erziehungsschnitt zu machen und ggf. zu düngen. Wobei ich kein Freund vom Düngen bin, meine Wiese hat einen ordentlichen Muttterboden, hier sollte meine Bäumlein alles zum wachsen haben, was sie benötigen.

Nachstehend einige Impressionen meiner Pflanzaktion. Der Deutz war hauptsächlich als Materialtransporter mit Anhänger im Einsatz. Alles in allem habe ich rund 400 € ausgegeben und ein gutes Gefühl Arbeiten zu machen, von denen im Idealfall die Nachwelt noch was hat.

Viele Grüße Simon

PS: Eines meiner wichtigsten Hilfsmittel ist mein Kniebrett, habe ich fast immer im Einsatz.
 

Anhänge

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Oberschwoab

Oberschwoab

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hallo Simon

Drahtgeflecht um den Wurzelballen als Mäuseschutz ist nicht nötig? Oder läufst du fleissig mit den Fallen? Habt ihr starken Druck mit Wühlmäusen?
 
Deutz45nullfuenf

Deutz45nullfuenf

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Moin, das hat er unter 5. beschrieben. Ich habe das nur bei der letzten Pflanzaktion gemacht.

Denkt aber dran das der nicht verzinkt sein darf, dann vergammelt der nicht und schnürt die Wurzeln ein.

Meine Heidschnucken halten das Gras schön kurz, ich beobachte den Bereich um den Baum genau und es stehen immer Köderboxen bereit. Im Sommer 2020 war es aber so schlimm...da sind auch zwei Bäume drauf gegangen.
 
SimonS

SimonS

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Hi Hi,

Ich habe nur den Verbissschutz, gleichzeitig Sonnenschutz (grüne Hülse) um den Stamm gestellt.
Den Hasendraht an den Wurzeln habe ich nicht verwendet, ist aber theoretisch möglich, macht schwören drauf. Da ich "wurzelnackt" gesetzt habe kann das schon passieren, dass die Wühlmäuse zuschlagen - hoffe aber nicht.

Beste Grüße
 
SimonS

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Wiesen-Hygiene


Für die nachfolgend von mir vorgestellten Tipps gilt der Grundsatz: Nur auf einem gesunden Boden, wächst ein gesunder Baum.

Als ich vor einigen Jahren die Streuobstwiese in einen mehr oder weniger verwahrlostem Zustand übernahm, waren die Äpfel oft schlecht.
Dies hat sich in faulen Stellen, kleinen Äpfel, braunen/krebsartigen Stellen und einer für bspw. Boskoop unüblichen nur kurzen Lagerfähigkeit bemerkbar gemacht.

Als Grund für die Qualitätsprobleme habe ich zusammen mit dem ansässigen Landschaftsgärtner einen Pilz identifiziert. Letztendlich ist ein Großteil der im Süddeutschen Raum stehenden Obstbäume davon befallen.
Die meisten Bäume können gut mit dem Pilz leben und überleben. Hier ein Bild:

IMG_4458.jpeg

Allerdings kann es vorkommen, dass der Pilz den Baum zu sehr belastet. Um dem entgegen zu wirken, sammle ich seit 2 Jahren das gesamte Laub der Obstbäume auf und entsorge es auf der Grüngut-Deponie.
Hintergrund, der Pilz befällt auch die Blätter und beim Zerfallen des Laubs werden die Sporen des Pilzes frei und gelangen so A in den Boden und werden B vom Wind auf der gesamten Wiese verteilt.

Für mich ist ein Einsatz von Spritzmitteln keine Option, ebenso sammle ich das Laub mit dem Rechen auf. Hat auch den Nebeneffekt, dass die Wiese von anderem Unrat (Moos/Hundekot) befreit wird.
Die Alternativen wie bspw. Rasenmäher mit Fangkorb, Laubbläser- oder Sauger stehen für mich nicht zur Diskussion.
Auch im Winter leben viele Insekten auf der Wiese, bzw. sind in Bodennähe im Winterstarre, ganz zu schweigen von der Lärmbelästigung durch 2-Takt-Gebläse. Ich sehe es als Ersatz für das Fitnessstudio. Hier ein Bildle:

IMG_4462.jpg

Die zuvor beschriebenen Hygienemaßnahmen sind ebenso bei dem Obst, welches nicht geerntet wurde, zu empfehlen. Also alle Äpfel etc. einsammeln und nicht verrotten lassen, auch hier können Pilzsporen und andere Stoffe in den Boden gelangen.
Ebenfalls ist es mMn. nach wichtig, das zum Ende des Jahres der Baum "leer" ist. Denn auch dichtes Laub oder Obst, welches auf dem Baum verrottet kann zu einer negativen Belastung führen. So also:

IMG_4464.jpeg


Wie schon geschrieben die Arbeiten sind nur bei schlechter Erntequalität erforderlich und auch nur bis einer bestimmten Anzahl Bäume in diesem händischen Umfang möglich.
Für das Laub eines Baumes brauche ich circa 30 Minuten und eine gewisse Unschärfe gibt es immer, das macht also nichts, wenn das ein oder andere Blatt auf dem Baum oder der Wiese bleibt.

Auch wenn nicht sehr appetitlich, die nachfolgenden Bilder. Hier ein paar negativ Beispiele von mir selbst, da ich dieses Jahr mit allem etwas spät dran bin.

IMG_4459.jpegIMG_4460.jpeg

Viele Grüße Simon

PS: Ich muss zum Abschluss noch ein Deutz Bild einfügen, den den Beitrag mit verfaultem Obst zu beenden fühlt sich nicht gut an <X :D

IMG_3009.jpeg
 
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Deutz45nullfuenf

Deutz45nullfuenf

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Laubbläser- oder Sauger stehen für mich nicht zur Diskussion.
Top-Einstellung Simon!
Viele Leute scheinen eine Rundholzallergie zu haben und pusten das Laub einfach nur zum Nachbarn oder auf die Straße.

Schönes Zitat aus dem Internet dazu:
"Das perfekte Symbol unserer Zeit ist der Laubbläser: Er verlagert ein Problem von einem Ort zum anderen ohne es zu lösen, benötigt dafür wertvolle Energie und macht eine Menge Lärm."



Also alle Äpfel etc. einsammeln und nicht verrotten lassen, auch hier können Pilzsporen und andere Stoffe in den Boden gelangen.
Dafür habe ich meine Heidschnucken die einen sehr guten Job machen. Ich versuche das ich die immer vor und nach der Ernte in der Weide habe. Vor der Ernte fallen alle mit Würmern befallenen Früchte vom Baum. Den Schnucken schmeckt der Apfel trotzdem, der Wurm wird aber nicht mehr zum Falter... ;)

Faules Obst sammeln wir auch komplett ein und bringen es auf den Acker.
 
K

Kobold 514

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Hallo Harm,

nach meiner Einschätzung sind Heidschnucken auch gut gegen Wühlmäuse.
Die Biester mögen es nicht, wenn ihnen ständig Jemand auf dem Kopf herumtrampelt.

Gruß Reinhard
 
N

niedersasse

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Moin,

das o.a. Pilzproblem haben auch die Rosskastanien.
Seit wir vor 8 Jahren angefangen haben, konsequent die Blätter unerer Kastanie aufzusammeln, also mit Harke und Hand, bekommt das Laub am Baum keine/kaum Flecken und sitzt wieder die gesamte Vegetationszeit am Baum und verwelkt nicht schon im Juli.

Grüße

Richard
 
Deutz45nullfuenf

Deutz45nullfuenf

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Reinhard, das ist so. Wo Schafe laufen haben die Mäuse schlechte Karten. Weiterhin ist das Gras immer kurz. Die Beutegreifer haben es dann leichter.
Ab und zu muss ich ja auch mal Mulchen und unter der Mulchdecke sind dann die perfekten Mäuseverstecke...das merkt man sofort.

Streuobst und Schafe/ Schnucken gehören für mich zusammen. Aber der Baumschutz ist auch sehr aufwendig. Die fressen natürlich sehr gerne Triebe und Rinde...
Wir haben nur Hochstämme, am besten fängt der erste Ast bei 2m an...
 
SimonS

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Guten Abend,

nun ist es soweit ich möchte ein paar Worte über Obstbaumschnitt schreiben.
Hierzu erstmal ein paar Worte zu den Grundlagen und Tipps zur Grundeinstellung und Herangehensweise. Es gibt viele Infos und Tipps im Internet, durchaus auch mit unterschiedlichen Ansichten. Letztendlich kann man sagen: "Viele Wege führen nach Rom, bzw. zu gesunden Bäumen und einer reicher Ernte." Deshalb ist das wichtigste bei den Arbeiten selbst ein gutes Gefühl zu haben. Ich bevorzuge Dashier.

Meine Grundeinstellung:

Bei ausreichendem Ertrag ist das frühe Frühjahr, bzw. späte Winter ein guter Schnittzeitpunkt, bei ungenügendem Ertrag empfiehlt sich ein Sommerschnitt.

Nur bei schönem Wetter schneiden und Nachtfrost bis max. - 5 Grad Celsius. Ein Schnitt ist eine Wunde die der Baum schließen muss und keine Feuchtigkeit und strenger Frost hinein darf.

Immer auf Außenaugen und Astringe schneiden und ein Baum braucht Belüftung, somit muss zu dichtes Geäst raus.

Und jetzt das wichtigste, weniger ist mehr. Starker Schnitt bedeutet immer starkes Wachstum, deshalb nur soviel schneiden, dass es der Baum eigentlich garnichts merkt.

Werkzeug:

Dem Baum schonen ist das oberste Gebot. Deshalb verwende ich ausschließlich zwei Handwerkzeuge, eine Rebschere und eine Astsäge. Beides habe ich im Vorfeld mit Spiritus gereinigt um eine Übertragung von Pilzen und Krankheiten zu vermeiden.

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Schnittpraxis:

Jeder Schnitt oder Abzwicken eines Astes muss sitzen und perfekt sein. Der Baum darf nicht mehr verletzt als absolut nötig. Somit wird verhindert das unnötige Wunden entstehen und Krankheiten und Fäulnis eintreten können, sowie die Bildung von Wasserschossen reduziert wird.

Beim Absägen dicker Äste ist es wichtig zuerst unten die Rinde einzusägen und Anschließend von oben den Ast abzutrennen. Somit wird das "Ausreißen" verhindert.
Beim Abzwicken kleiner Zweige immer am Astring schneiden. Somit ist die Wunde durch den Schnitt am geringsten. Nachstehendes Bild zeigt ein Schnitt ohne Ausgerissene Rinde und in der Skizze habe ich versucht zu beschreiben, was es bedeutet auf Astringe zu schneiden.

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An meinen "Alten" Bäume habe ich dieses Frühjahr nur einen Ast geschnitten, da ich noch einiges an Potential im Ertrag sehe. Auch die "Wasserschosse" (senkrechte Zweige ohne Fruchtertrag) lasse ich stehen. Ein rausnehmen dieser regt nur noch mehr Wachstum an. Der Dicke Ast war ein Ast in doppelter Richtung, weshalb es mir zu dicht war. In den folgenden Bildern erst mit beiden Ästen und identischer Wuchsrichtung (Konkurrenz) und dann geschnitten.

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Ich bin ein Freund von lichten Bäumen, dadurch wird Fäule und Pilzbefall reduziert. Deshalb möchte ich einfach ein paar Bilder der Bäume inkl. Deutz darstellen, wie ich die Bäume als richtig geschnitten empfinde. Gerne auch mit weit austragenden Ästen.

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Ich habe die Zeit auch genutzt die Nistkästen zu reinigen, war aber fast zu spät, da schon der ein oder andere Mieter sein neues zuhause beziehen wollte. In diesem Fall konnte ich aber mit der Blaumeise eine Einigung erzielen.

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Soweit meine Infos zu den bestehenden Bäumen, als nächstes kommt ein Beitrag zum Pflanzschnitt der letzten November gesetzten Bäume. Immer treu dabei, mein 3006:

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Viele Grüße Simon
 
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Deutz45nullfuenf

Deutz45nullfuenf

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Wieder ein schöner Beitrag. Man soll ja einen Hut durch die Krone werfen können. Das sieht aus als wenn das bei dir überall klappen könnte.

Ich wünsche uns schon mal eine frostfrei Obstblüte.
Wir essen aktuell noch die letzten Kaiser Wilhelm und Boskoop. Die Kinder nehmen also seit ca. 15.8. jeden Tag unser eigenes Obst mit zur Schule.
Manche kennen Regionalität ja nur als Wort...
 
SimonS

SimonS

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Wie soeben angekündigt, hier die Infos zum Pflanzschnitt.

Ja der Planzschnitt, eigentlich direkt wenn man den Baum pflanzt, also im Frühjahr ja, im Herbst gepflanzt kann man es auch wie ich machen und erst im Frühjahr schneiden. Dann hat der Baum weniger Stress und kann gut anwachsen.

Grundsätzlich ist der Pflanzschnitt ein extremer Rückschnitt, der A für ein starkes Anwachsen des Baumes sorgt und B den Aufbau des Baumes vorgibt. Letztlich gilt es auf einen Mitteltrieb und drei bis vier Seitentriebe zu reduzieren und diese um 2/3 einzukurzen. Wichtig ist sauber auf Außenaugen zu schneiden. Nachfolgende Skizze soll dies darstellen.

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Die Energie zum Wachsen geht immer in das letzte Augen vor dem Schnitt, somit wächst der Baum sauber nach außen weiter. Weit auslegende Äste. Nun aber auch ein paar echte Impressionen meines Pflanzschnitts:

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Jetzt hoffe ich einiges an Infos gegeben zu haben, in Youtube und der Gartenbibel von Kosmos ist das auf vielen Seiten noch detailierter beschreiben,

schönen Abend, Simon.

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514er Häns

514er Häns

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Hallo Simon,
hast du nicht mal nachgedacht, die neuen Bäume auf Oeschberg-Palmer Erziehung zu schneiden. Die hat ja nachweislich den Vorteil, daß die unteren Äste nicht überschattet werden.

Gruß Häns
 
Kuhlerter Deutzer

Kuhlerter Deutzer

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Hallo Simon,

man merkt aus Deinen Beschreibungen direkt, wie sehr Du Deine Obstbäume liebst und wie sehr die bei Dir verwöhnt werden. Ganz toller Bericht !
Ich glaube, ich muss mal unsere Obstbäume (irgendwo um die Hundert) zu Dir in Urlaub schicken, dass es ihnen auch mal richtig gut geht. Bei uns werden die Obstbäume (Kernobst und Steinobst) aus Zeitgründen eher sehr extensiv bewirtschaftet. Regelmäßiger Baumschnitt
und Wiesenpflege sind eher die Ausnahme. Pflanzenschutzmaßnahmen gibt es keine.
Darüberhinaus sind alle fünf Obststücke mehr oder weniger hängig, was die Bewirtschaftung
aufwendiger gestaltet.
Wir haben ausschließlich Hochstämme. Leider wird das Edelobst auch immer mal wieder geklaut, oft dann, wenn es dringend im Destillationssortiment gebraucht wird. Ärgerlich.
Das Obst, das wir ernten, wird weitgehend in der eigenen Obstbrennerei verwertet, aber ebenso im Haushalt verzehrt.
Was übrig bleibt, bleibt auf der Fläche und dient dort als Vogelfutter, insbesondere für Amseln.

Viele Grüße von der Mosel sendet
Philipp
 
SimonS

SimonS

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Guten Morgen,

das gefällt mir gut, wenn meine Berichte ankommen. Das Wiesen und Bäume oftmals nicht mehr so "gepflegt" werden ist bestimmt auch auf Erbteilung und andere Faktoren zurückzuführen und kommt auch bei uns in der Region häufig vor. Der Landkreis versucht dem auch mit einer "Baum-Schnitt-Prämie" und kostenfreier Entsorgung des Baumschnitts entgegen zu wirken.

Wenn auch meine Berichte Mut und Lust machen, sich um Streuobst zu kümmern, möchte ich nochmals meine Einstellung: "Weniger ist mehr" wiedergeben.

Bäume die lange nicht geschnitten worden sind neigen bei Rückschnitt zu starkem Wachstum, deshalb ist es wichtig über mehrer Jahre kontinuierlich zu schneiden. Mann sollte sich min. 5 Jahre Zeit nehmen.

Grundsätzlich ist das kein Problem aber im Zusammenspiel mit der zunehmenden Trockenheit wächst der Baum dann schneller als die Rinde. Ich habe die ungepflegten Bäume auch in meinem ersten Jahr zu kräftig geschnitten und kämpfe heute noch mit den typischen Schäden zu kämpfen: Baum wächst schneller als die Rinde, siehe Bild.

IMG_5071.jpeg

Leider ist auch dieser Winter und Frühjahr wieder viel zu trocken bei uns und vermutlich anderen Regionen auch. Ich finde diese Karte gibt einen guten Überblick.

Viele Grüße Simon
 
D

Dr. Pepper

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Hallo Simon,
Sehr schön das du so engagiert bist.
Unsere Kulturlandschaft wurde|wird leider zusehends zerstört.
Hier bei uns gibt's nur noch eine ungepflegte Obstwiese der Rest ist abgesägt.
Ich habe selber angefangen ein paar Obstbäume zu Pflanzen.
Allerdings im kleinen rahmen zusätzlich mit einer Weißdornhecke.
Dieses Jahr kommen noch ein paarkopfweiden dazu.
 
D 6206 er

D 6206 er

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Hallo,

ich hätte etwas anders geschnitten: drei bis vier Leitäste in gleicher Höhe eingekürzt (=Saftwaage) und die Stammverlängerung knapp darüber (eine Scherenlänge) sowie an den Leitäste einige Seitenästen belassen.

Gruß
 
Thema: Bewirtschaftung Streuobstwiese

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