Restauration Kotflügel F2L612/54

    • Restauration Kotflügel F2L612/54

      Hallo zusammen,
      ich möchte nachfolgend mal eine kurze Chronologie zur Restauration meiner Kotflügel vom F2L612/54 darstellen.
      Erste Einschätzung - die Kotflügel sind gar nicht so schlecht. Evtl. müssen an der der einen oder anderen Stelle noch ein paar Bleche eingeschweißt werden.



      Bei näherer Betrachtung nach der Demontage der Leuchten und des wunderbaren "6km"-Schildes ergab sich dann aber doch ein etwas anderes Bild: Korrosion, Rost und Gammel ohne Ende.
      Unter allen Verstärkungsprofilen waren die Bleche durch 60 Jahre einwirkende Feuchtigkeit komplett durch.

      Hier ein paar Eindrücke:




      Auch fast harmlos aussehenden Innenbleche der Kotflügel waren nach leichtem Klopfen mit dem Hammer auch schnell durch...



      Wie es dann so ist - aus dem als "übersichtlich" eingeschätzen Teilprojekt wird eine längere Geschichte. Die ersten Blechabschnitte herausgetrennt, wurde dann ersichtlich, dass unter den Korrosionsbereichen jeweils bei den Verstrebungen die Substanz nicht mehr vorhanden war.



      Somit kam dann der Entschluss - ganz oder gar nicht. Eintweder müssen die Streben runter, oder viel Farbe rüberpinseln in der Hoffnung, dass die nächsten 5 Jahre nichts von dem Elend in Sicht kommt. Oder alternativ einen neuen Satz Kotflügel bestellen.

      Der Preis für einen Satz neuer Kotflügel liegt bei ca. 1300 € zzgl. Fracht per Spedition. Somit kam dann die Entscheidung, dass die Substanz doch noch "ganz gut ist" und das kann man auch wohl selbst machen. Also erst einmal alle Streben heraustrennen.

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    • Dann wurden die Kotflügel erst einmal sandgestrahlt und grundiert. Anschließend ging es an das Heraustrennen der vom Rost befallenen Blechabschnitte.




      Mein Kollege, der mir die Bleche einschweißen wollte (ich war selbst nicht im Besitz eines Schweißgerätes) kam dann ständig wieder mit Hinweisen auf die neuen Kotflügel von Delegro oder von Dampol. Er hat wohl den Braten gerochen - das ganze ist nich mal eben so fertig. Wenn man sich aber so ein Thema in den Kopf setzt, will man das dann auch durchziehen. Es nützte nichts, ein Schweißgerät musste her. Gut, dass es Händler gibt, die sowas sogar verkaufen...

      Bleche zuschneiden, anpassen und Einschweißen war für die nächsten Tage das Thema.



      Danach ging es an das Putzen der Nähte. Da ich leider immer nur sporadisch daran arbeiten konnte, habe ich wohl zwei Wochen jeden Abend draußen mit der Flex gestanden zum Schleifen der Nähte. Gut, wenn man tolerante Nachbarn hat.

      Als Verstärkungsstreben wurden M-Profile engesetzt, die den Originalprofilen sehr nahe kommen. Diese habe ich mir bei FK-Söhnchen bestellt. Original sind diese wohl als Kratzbodenprofile vorgesehen. Profile auf Länge geschnitten, abgekantet und dann eingeschweißt.

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    • Hallo,

      Einen Erfahrungsbericht schreiben, das macht schon Arbeit. Daher ein herzliches Dankeschön und mit dem Bericht weitermachen! Genau dasselbe steht mir auch noch bevor. Ich mag gar nicht daran denken. Ich habe auch nach neuen Kotflügeln geschaut, meine waren dann plötzlich auch wieder für eine gewisse Zeit gut. Mal sehen, wann ich die Rostbeulen nicht mehr sehen kann....

      Grüße aus dem Norden.
    • Dann ging es los mit dem Grundieren, Spachteln und Lackieren.

      Grundierung:


      Spachteln - nicht gerade meine Lieblingsdisziplin. Aber "wat mutt, dat mutt!"




      Und abschließend lackieren...



      Und dann noch anbauen, nachdem die Hohlräume mit Holraumkonservierung hoffentlich für die Ewigkeit haltbar gemacht wurden...

      ... ich weiß, dass die Kalksandsteine nicht optimal sind. Druckverteilung mit aufliegenden Brettern...

      Für die Beleuchtung müssen nunmehr wieder die Bohrungen gesetzt werden - aber das soll hier nicht das Thema werden.

      Fazit:
      - Hätte ich vorher den Aufwand und die Arbeitsstunden richtig eingeschätzt, hätte ich mir wohl neue Kotflügel gekauft.
      - Aber: Dann hätte ich heute kein eigenes Schweißgerät.
      - Es sind (zumindest überwiegend) noch die originalen Kotflügel
      - Wenn man ein solches Projekt abgeschlossen hat, dann kann man für sich daran einen Haken machen.
      - Es gab keinen Mittelweg - entweder im alten Zustand "dick Farbe drüber" oder den von mir eingeschlagenen Weg. Neue Bleche mit alten Streben darunter, das wäre unterm Stich nur Murks gewesen...

      Viele Grüße aus Ostfriesland, Detlef
    • Ich habe noch einen Zwischenschritt vergessen. Nach dem Einschweißen der Bleche und der Streben war ich davon ausgegangen, dass sich die Kotflügel verzogen haben. Deshalb wollte ich dieses nach dem Schweißen und Schleifen der Nähte in jedem Fall prüfen.
      Und es kam wie vermutet - die Kotflügel standen in einem Winkel von geschätzten 10 Grad nach außen weg. Vielleicht kann man dieses auf den beiden folgenden Fotos erahnen.


      Was nun? Irgendwie musste die Form bzw. die Winkel wiederhergestellt werden.

      Kurzerhand wurde einiges an Ausrüstung aus der Werkstatt zweckentfremdet.





      Der Deutz wurde mittels Kanthölzern zwischen den Garagenwänden eingespannt und dann wurde mit dem Stempelwagenheber der jeweilige Kotflügel getrimmt. Über die gegenüberliegende Radnabe wurde der Deutz abgestützt.
      Dieses Verfahren war sehr langwierig, da immer wieder ein wenig nachgelegt wurde und dann wieder entspannt wurde um zu prüfen, ob man am Ziel ist. Es war schon einiges an Spannung erforderlich, das eine oder andere Mal hat es auch ganz schön geknackt. Aber dann war irgendwann das Ergebnis zufriedenstellend...


      Bevor Ihr mich steinigt wegen der Arbeitssicherheit - ich war mir schon im Klaren, dass das so nicht so ganz "original" war. Aber mit großer Umsicht und Vorsicht, ausreichendem Abstand war das Risiko schon einzuschätzen und vertretbar.
      Schließlich waren die beiden Kotflügel im wahresten Sinne des Wortes "wieder im Lot".
      Grüße,

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    • Hallo Detlef,

      Glückwunsch zu der mühevollen und gelungenen Arbeit.
      Danach hat man einen völlig anderen Bezug zu seinem Fahrzeug. Es ist einem viel mehr wert. Inzwischen ist es ja ein Leichtes, sich neue Kotflügel zu kaufen. Die werden lediglich etwas angepasst und lackiert.

      Die gleiche Arbeit habe ich vor vielen Jahren mit den Kotflügeln meines F2L514/53 veranstaltet. Die waren fast genau so schlecht. Aus Angst vor neuem Rost hatte ich diese damals noch feuerverzinken lassen. Damals gab es noch keine Nachbauten. 2 Jahre hatte ich nach guten Gebrauchten gesucht. Dann rief mich jemand aufgrund der Anzeige an, ob ich ihm meine alten Kotflügel verkaufen würde. Er hätte seine zu Anfang der Restauration entsorgt. Da bin ich hellhörig geworden und habe mich selbst an die Restauration meiner Kotflügel gegeben.
      Das Richten wurde ebenfalls mit Kanthölzern bzw. Spanngurten und einem zweiten Trecker durchgeführt. Leider gab es damals keine Digitalkamera und ich habe nur wenige Fotos davon.
      Es grüßt alle Deutzfreunde

      Franz Schmitz
      (F1M414/46, 2 x F1L514/51, F2L514/53 I, D3005)
    • Hallo Detlef,

      schöne Arbeit! Da steckt Aufwand dahinter mit sehr gutem Ergebnis.

      Hast Du neue M-Profile verwendet oder sind das die aufgearbeiteten alten? Es gibt ja passende, leichtere Kratzbodenprofile von der Stange, die da passen. Hat der eine oder andere hier schon so gemacht. Frage rein interessehalber. An meinem /5 ist das ja anders konstruiert.

      Giraßle
      Martin
      Beim Griff in die eigene Tasche stellt man immer wieder fest, dass die "Öffentliche Hand" bereits vorher drin war...
      Da es förderlich für die Gesundheit ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein. (Voltaire)
      Ich kann, weil ich will, was ich muss! (Immanuel Kant)
      Wenn man bei einem anderen Menschen erfolgreich Fehler finden möchte, so verwende man nicht eine Lupe, sondern besser einen Spiegel.

      Der Oberschwabe: homo erectus spaetzlei-maultaschii
    • Obrschwob wrote:


      Hast Du neue M-Profile verwendet oder sind das die aufgearbeiteten alten? Es gibt ja passende, leichtere Kratzbodenprofile von der Stange, die da passen.
      Hallo Martin,
      es sind neue Profile verwendet worden. Das Aufarbeiten der alten Profile wäre wohl noch möglich gewesen, aber den Aufwand wollte ich mir nicht antun.
      Leichtere Profile habe ich so nirgendwo gefunden. Die neuen sind aber sehr dicht dran am Original.
      Grüße,
    • Servus Detlef,

      Daumen hoch für diese Arbeit :thumbup: . Sieht echt klasse aus.

      Ich hab es damals beim einschweißen der Bleche belassen, weil ich einfach keine passenden Profile gefunden habe. Ich hab zwar auch nach Kratzbodenleisten gesucht, aber wohl nicht die richtigen Seiten aufgerufen ;( . Damals war ich auch noch nicht hier im Forum aktiv, sonst hätt ich wahrscheinlich um Hilfe gerufen.

      Insgesamt waren die Profile auf der Innenseite natürlich nicht mehr optimal, aber in Ermangelung von passendem Ersatz (und auch aus Gründen des Budgets) musste es auch so gehen. Nur an einer Stelle war das Profil durchgerostet, da hab ich von außen ein Verstärkungsblech drüber geschweißt.
      Ist jetzt schon ein paar Jahre her und hält noch. Wichtig ist meiner Meinung nach dass man regelmäßig den Hohlraum durchspült. Wenn der Dreck draußen ist kann sich die Feuchtigkeit gar nicht so lange halten, dass es hier noch große Druchrostungen gäbe (hoffe ich).
      Bei meinem waren sämtliche Hohlräume wie zu betoniert, da konnte sich die Feuchtigkeit halten und schön vor sich hin oxidieren. Ist irgendwie eine kleine Fehlkosntruktion, da sich im Feldeinsatz immer Dreck in den Hohlräumen sammelt und wenn der eben nicht täglich rausgewaschen wird muss das ja irgendwann durchrosten. Im Hobbyeinsatz ist die Gefahr wohl nicht so groß.

      Grüße vom
      Reini
      Bevor i mi d'rüber aufreg', is's ma liaba Wurscht.