Benötige euer Fachwissen für meinen neuen Kriminalroman ...

    • Benötige euer Fachwissen für meinen neuen Kriminalroman ...

      Hallo, liebe Deutz-Freunde,

      ich bin Autor von Kriminalromanen, die in den bunten und verrückten siebziger Jahren im Sauerland spielen (www.michaelwagner-krimi.de). Bei mir ermitteln keine Polizisten, keine Gerichtsmediziner und auch keine Privatdetektive. Meine Protagonisten sind eine pensionierte Schulrektorin und ein stets selbstzweifelnder Frührentner. Da letzterer keinen Führerschein besitzt und sein geliebtes Bonanzarad bei der Aufklärung des letzten Mordfalls irreparabel beschädigt wurde, möchte ich ihm ein ganz besonders skurriles Ermittlerfahrzeug zukommen lassen – einen alten Trecker nämlich. Da sind wir aber auch schon bei meinem Problem: Nach meiner Erinnerung ist es so, dass früher – entscheidend ist das Jahr 1975 – keine Fahrerlaubnis zum Führen eines Traktors nötig war, genau wie beim Mofa. Ein Junge aus dem Ort, in dem ich aufgewachsen bin, hat seinerzeit von seinen Eltern einen alten Eicher bekommen, weil diese ein Mofa für zu gefährlich erachtet haben. Allerdings bin ich mir bei der Sache mit dem nicht notwendigen Führerschein nicht sicher, und bei Wikipedia wird nur die derzeit gültige Rechtssituation beschrieben.

      Deshalb meine Frage: Gibt es bei euch jemanden, der schon ein paar Jahre mehr auf dem Buckel hat und mir sagen kann, ob 1975 gar keine Fahrerlaubnis oder nur eine ganz einfache mit Theorieprüfung notwendig war und wie schnell bzw. langsam der Schlepper dann fahren durfte?

      Und dann habe ich noch etwas auf Lager: Ich möchte meinem lieben Theo gern etwas ganz Besonderes spendieren – einen alten Lamborghini-Traktor. Das würde für den Leser wegen der zwangsläufigen Assoziation mit den Supersportwagen sehr witzig rüberkommen. Das gute Stück sollte natürlich schon damals, 1975, recht betagt gewesen sein und nach Möglichkeit aus den fünfziger Jahren stammen. Nun suche ich einen Freak, der sich gut mit diesen italienischen Fahrzeugen auskennt. Allerdings gibt es wohl außer euch keine großen Schlepperforen, und ihr seid ja auf Deutz spezialisiert. Da aber die Szene sicher ganz gut vernetzt ist, kann ich mir andererseits vorstellen, dass ihr einen Tipp für mich parat habt, an wen ich mich wenden kann.

      Für eure Antworten schon mal vielen Dank und herzliche Grüße aus Nordhessen, Michael
    • Hallo,

      also ganz ohne Führerschein kann nicht sein, auch wenn es auf dem Land oft so gehandhabt wurde - die Polizei aus der Kreisstadt war weit weg, und die Kinder mussten in der Landwirtschaft mithelfen, sobald sie alt genug dafür waren.

      Nach meiner Erinnerung genügte für Traktoren bis 25 km/h der alte Führerschein Klasse 4. Das war ein "Mopedschein", den man mit 16 nach einer theoretischen Prüfung (ohne Fahrstunden, ohne praktische Prüfung) erwerben konnte.

      Gruß Reinhard, Baujahr 1959
    • Ja, der alte 4er-Führerschein bis 250ccm beim Moped und landwirtschaftliche Schlepper... bis 25km/h, später 32km/h, ganz früher bis 20km/h, war obligat bzw. Mindestvoraussetzung. Nur Theorie-, keine Praxisprüfung. 1982 war der 4er durch den 1B mit Moped-Praxis bis 80ccm bereits abgelöst - da war ich 16 - hatte eine Zündapp KS50 WCTT - unbegrenzt natürlich - die gibt's sogar noch.

      Griaßle
      Martin
      Beim Griff in die eigene Tasche stellt man immer wieder fest, dass die "Öffentliche Hand" bereits vorher drin war...
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      Der Oberschwabe: homo erectus spaetzlei-maultaschii
    • Hallo,
      Ich hab meinen Führerschein zwar erst 1995 gemacht, hätte aber die Hand für ins Feuer gelegt das Traktor die Klasse 5 war, und nicht im 4er Mopedschein enthalten.

      Durften 6 km/h Traktoren ohne Schein gefahren werden? Oder waren die nur zulassungsfrei?

      Es gab mal ne Regelung das bis zu einem gewissen geburtsjahr das 25 km/h Mofa ohne Schein gefahren werden durfte.

      Gruß Holger
    • Servus miteinander,

      ich bin mir auch sicher das es der "alte 4er" war. Mit dem durften sogar Autos bis zu einem bestimmten Hubraum (250 ccm?) gefahren werden.

      Da war in den siebzigern allerdings die Auswahl an Pkw nicht mehr groß. Mein Nachbar hatte damals einen Fiat. Ich glaub es war ein 650 Bambino mit 250er BMW Boxermotor der ewig lange am Laufen gehalten wurde. Später hatte er von Fiat noch den Panda in entsprechender Motorisierung. Die Goggomobile aus den 50ern durften zumindest mit dem 250 ccm Motor auch damit gefahren werden. Da hatten wir in den siebzigern auch noch zwei Altbauern im Dorf, die damit ihre Mobilität für weitere Strecken gesichert hatten.
      Wobei weitere Strecken für die Alten damals bedeutete, die 15 oder 20 km in die Kreisstadt zum Viehmarkt (mit Ferkeln in einer Kiste auf dem Dachgepäckträger) oder zur Dult zu fahren. Alles andere war schon unnötiger Luxus und wurde nur auf sich genommen wenn es sich gar nicht vermeiden lies (Arztbesuche und dgl.). Und dafür gab es damals in fußläufiger Entfernung von etwa 2,5 km noch einen Bahnhof.
      Der war sogar mit Güterverladung. Da lieferten die Bauern ihre Kartoffeln noch in Säcken verpackt an und die wurden dann in die Güterwaggons verladen. Da hieß es dann alles antreten zum "Erdäpfe schutzen".

      Jetzt bin fast ein wenig vom Thema abgeschweift. Unverbesserlicher Nostalgiker halt :love: . Aber vielleicht ist ja eine Anregung für unseren Krimi-Autor dabei.

      Grüße vom
      Reini
      Bevor i mi d'rüber aufreg', is's ma liaba Wurscht.
    • Servus miteinander,

      jetzt stellt sich nur noch die Frage, wie alt eigentlich der Protagonist ist. Ich habe bewusst vom "alten 4er" gesprochen. Bis zu welchem Geburtsjahrgang der erworben werden konnte ist mir allerdings nicht bekannt. In den 70ern gabs mit Sicherheit nur noch den "neuen 4er" mit dem das nicht mehr erlaubt war.
      Da der Protagonist Frührentner ist könnte er durchaus den alten 4er haben.

      Grüße vom
      Reini

      Edit: eben mal kurz Tante Google gefragt: hier ein Link zum Thema . Der "alte 4er" müsste demnach vor dem 1.12.1954 bzw. im Saarland vor dem 1.10.1960 erworben worden sein. Wie hoch das Mindestalter dafür war weiß ich nicht. Wenn man von 18 Jahren ausgeht müsste der Protagonist mindestens Jahrgang 1936 sein und wäre dann mitte der siebziger etwa 40. Sollte also funktionieren. Dass man diesen Führerschein heute nur noch für lof-Zwecke (für den TE, der möglicherweise nichts damit zu tun hat: lof = land-oder forstwirtschaftliche Zwecke) nutzen darf, würde den Protagonisten wahrscheinlich nicht stören, er ist ja eh in den siebzigern unterwegs.
      Bevor i mi d'rüber aufreg', is's ma liaba Wurscht.

      Post was edited 2 times, last by krammerreini ().

    • Zum Fahren von landwirtschaftliche Zugmaschinen bis 32 km/h reichte Früher die Klasse 5. Dieser galt auch als Landwirtschaftsschein und war m.W. relativ einfach zu bekommen (nur Prüfbescheinigung meine ich). Wer vor dem 01.04.1980 die Klasse 5 erworben hatte, durfte damit auch eine Mofa fahren, sonst nicht.

      Es gab - glaube ich - auch noch eine Regelung bis 20 km/h. Am besten fragst Du mal einen alten Fahrlehrer (Ruheständler?) oder beim Fahrlehrerverband nach. Vielleicht wissen die mehr.

      Verkehrsteilnehmer, welche 1965 oder früher geboren wurden, dürfen eine Mofa ganz ohne Führerschein und Prüfbescheinigung fahren. In diesem Fall müssen Sie nur einen Personalausweis oder ähnliches dabei haben, damit Sie ihr Alter nachweisen können. Ob das auch für den Landwirtschaftsschein galt weiß ich leider nicht genau.

      Statt einem Lamborghini-Traktor würde ich Deinem Protagonisten zu einem "Porsche Junior" raten. Der war damals deutlich häufiger anzutreffen.

      LG
      Martin

      Post was edited 3 times, last by Martin514 ().

    • krammerreini wrote:

      Dass man diesen Führerschein heute nur noch für lof-Zwecke (für den TE, der möglicherweise nichts damit zu tun hat: lof = land-oder forstwirtschaftliche Zwecke) nutzen darf, würde den Protagonisten wahrscheinlich nicht stören, er ist ja eh in den siebzigern unterwegs.
      Hallo, ein Umgeschriebener 5er ist nach wie vor nicht zweckgebunden. Du bekommst bei Klasse L die Schlüsselzahl 174 mit eingetragen, also darfst du fahren bis 40 kmh. Aber das geht jetzt am Thema vorbei.
      Mit freundlichen Grüßen
      Michael
    • Moin
      Hab mit 15 (1989) Klasse 5 gemacht (nur Theorie) und durfte damit 32km/h max 1 Anhänger
      25km/h bei 2 Anhänger
      und Mofa.
      Meines Wissens kam die Klasse 5 mit dem Rosa Lappen.
      Klasse 4 war Moped Kleinwagen bis 250ccm später Kleinwagen bis 750ccm 21KW
      und Traktor.
      Zur der Zeit gab es einige Kleinwagen,die zu diesem Zweck mit Hirth oder Goggo motore ausgerüstet wurden .
      gruss nobi
      Mit Windows arbeiten ist wie U Boot fahren!
      Kaum macht Mann ein Fenster auf gehen die Probleme los.
    • Moin, wie schon öfter geschrieben wurde, durfte man mit der Klasse 5 Trecker fahren.
      Klasse 5 graue Pappe, hab den 1974 mit Kl. 4 zusammen gemacht.
      Für das Mofa bis 25 km/h brauchte man keinen Führerschein.
      Wir hatten zu Hause einem Fachwerkstattbetrieb mir Verkauf von Mofas und Mopeds.
      Zu unseren Mofakunden ( 25km/h ) gehörten einige Kunden, die ihren Führerschein auf Grund erhötem Alkoholkonsum
      abgeben mussten.
      Das Mofa über 25 km/h durfte man mit dem Kl. 5 fahren.
      Die Bul.... waren auch ständig in der Werkstatt und ließen frisierte Maschinen von uns untersuchen auf Änderungen.
      Mit dem alten ( graue Pappe ) Kl. 3 durfte man auch Mororräder bis 250 cm³ fahren. Später dann nur noch 125cm³ Motorrädchen.
      Gruß Felix
      Organspende aktuell: Stell Dir vor, Du brauchst dringend ein neues Hirn
      und der Einzige,
      der an diesem Tag stirbt, ist der mit der Pferdelocke von der anderen Seite des großen Teiches...
    • Das mit dem MOFA hatte aber eine Altersbeschränkung (Datum weiß ich nicht)
      Geboren vor dem soundsovielten durfte ohne Bescheinigung fahren ,auch die Alkis und danach Brauchte man eine Bescheinigung über abgelegte Prüfung.nannte sich auf jedenfall nicht Führerschein.
      Wurde bei uns in der Schule gemacht.
      Der 125er Stichtag ist der 1.4.1981 wenn vorher die Klasse 3 erworben wurde.
      Soll er denn Krimi nach Belgien verlegen ,da kam die Führerschein Pflicht erst 1974 :D
      gruss nobi
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      Kaum macht Mann ein Fenster auf gehen die Probleme los.
    • Sehr schön, die Beschreibung des Romans spricht mich schonmal an.
      Jedoch würde ich, so wie auch schon einige vor mir schon geschrieben haben, überlegen ob nicht ein Porsche-Traktor sinnvoller und passender wäre.

      Damit haben vermutlich auch mehr Leser das besagte Fahrzeug des ermittelnden Frührentners optisch vor Augen als mit dem Lamborghini-Traktor.


      Mit dem Führerschein kann ich leider nicht weiterhelfen, da bin ich gut 23 Jahre zu Jung für :)

      Liebe Grüße
      Julius
    • Moin moin,

      Theo Kettling wrote:

      einen alten Lamborghini-Traktor. Das würde für den Leser wegen der zwangsläufigen Assoziation mit den Supersportwagen sehr witzig rüberkommen. Das gute Stück sollte natürlich schon damals, 1975, recht betagt gewesen sein und nach Möglichkeit aus den fünfziger Jahren stammen.
      das wäre in Deutschland unrealistisch.
      Hierzulande tauchten die ersten neuen Lamborghini-Traktoren frühestens in den 1970er Jahren auf, vermutlich eher in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts.

      MfG
      Fabian