Restauration F2L612/5 HK

    • Restauration F2L612/5 HK

      Hallo Zusammen,

      zu dem Umstand diesen Deutz zu Restaurieren zu dürfen kam ich auf ganz kuriose Art und Weise. Vor 2 oder 3 Wochen hat mich eine Frau angeschrieben (wenn man übers Internet nach Traktorsachen im Saarland sucht stößt man automatisch auf mich :mrgreen: ) dass sie für ihren Mann zum 50. ein Geburtstagsgeschenk sucht ! Tja, ich konnte vorerst nicht weiter helfen, aber dank einem Tipp von Danny war eben dieser Deutz schnell in die Auswahl gefallen, da er noch ins Budget passte (die Preisentwicklung in dieser Größenordnung ist ja abartig...kannte das gar nicht mehr, da ich nur noch Ausschau nach vergleichsweise günstigeren 6 Zylindern halte...) Also Termin mit dem Händler an der Mosel ausgemacht und hingefahren. Ich hab ihn sogleich mal ne Runde Probe gefahren. Technisch alles top. Nach Verhandlung des Preises (die Hydraulik wurde noch demontiert, da nicht benötigt und Preis fördernd :wink: ) wollten wir uns noch einen D30 anschauen, doch der am Vortag noch so freundliche Verkäufer hatte plötzlich absolut keine Zeit seltsamerweise. Naja. Die Wahl fiel dann auf den 24er Deutz.

      Am Montag wurde das gute Stück zu mir gebracht. Auch das hässliche schwarz (!) gestrichene Verdeck wurde glücklicherweise schon an der Mosel entfernt. Gestern dann eine ausgiebige Probefahrt unternommen, bei der ich feststellen konnte die technisch super der Deutz in Schuss ist. Eine Motorumdrehung und er läuft und das ohne Vorglühen. Klasse. Qualmen tut er auch fast nicht aus dem neuen Auspuff der nach oben gelegt wurde. Optisch wurde er leider an den gammeligen Kotflügeln von einem Gipser misshandelt wie ich heute feststellen musste bei der peniblen Durchsicht um aufzuzählen was an Neuteilen und auch an Arbeitsschritten anfällt. Ich mag gar nicht wissen wie es unter der dicken Spachtelschicht nach dem Sandstrahlen aussehen wird...Aber es ist noch im Bereich des Machbaren :)
      Um ihn optisch bis zum Geburtstag noch aufzubessern habe ich schonmal den Überrollbügel und diverse Kleinteile zum sandstrahlen demontiert. Doch da offenbarte sich gleich das nächste Übel : der linke Kotflügel war nach Demontage vom Bügel ziemlich locker. Warum das? Die Lösung fand sich in einer vom Rost angefressenen und dann von den Vibrationen abgerissenen Kotflügelhalterung wieder. Aber da ja eh geschweißt werden muss ist das halb so wild. Unzählige Löcher von Verdeck und was weiß ich nicht alles wollen ja auch noch verschweißt werden :D
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    • Hallo Zusammen,

      es hat sich mittlerweile schon einiges getan. Ich habe seit 1.4. eine eigene Werkstatt und dort wird der Deutz seit genau eben jenem Tag zerlegt. Zuvor hatte ich schon die Kotflügel demontiert. Das Ausmaß des faulen Elends kam dann erst richtig zu Tage...

      Letzte Woche dann die restlichen Blechteile, der Tank, Anlasser, Lima und und und. Heute ging ich daran die Vorderräder abzuschrauben, Lenksäule, Pedale, Gasgestänge und ich hab den Deutz trocken gelegt.

      Ich werde leider nicht drumherum kommen das Getriebe neu abzudichten. Da Deutz für mich völliges Neuland ist habe ich damit noch keine Erfahrungen bezüglich des mittig geteilten Getriebes. Ist es möglich das Getriebe auf eine Seite zu legen und eine Hälfte abzuheben ohne dass mir innen alles zusammen fällt? Bei meinem Dieselross ist es z.b. so wenn ich beide Steckachsen ziehe verabschiedet sich das Tellerrad. Wie läuft das bei Deutz ab?
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    • Getriebe teilen

      Hallo Nils_Heinen,

      wenn Du die rechte Steckachse rausziehst, wird Dir die Klaue für die Diff.-Sperre
      in das Getriebe fallen, es sei denn, Du arretierst sie vorher indem Du
      den Hebel dafür betätigst und in dieser Stellung mit z.B. einem Stück
      Holz blockierst.
      Das Trennen des Getriebes geht genau so wie Du es schon vermutest.
      Lege es auf eine Seite und dann lässt sich die obere Hälfte abnehmen.
      Ich habe meinen seinerzeit auf die linke Seite gelegt und somit die rechte
      Seite abgenommen.

      Gruß,
      Frank
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    • Hallo Nils,

      mal was anderes - war die Ausführung "HK" nicht eine Hochradausführung (Bereifung 9-9.5x36)?
      Die Bereifung sieht eher aus nach 8.3x32, oder 9.5x32.

      Auch macht micht stutzig, dass die Erhöhungen unter den Kotflügel fehlen.

      Ich kann auch daneben liegen - vielleicht kannst Du etwas dazu erzählen?


      Schöne Grüße,
      Christian
    • @Frank : Vielen Dank für die tolle Antwort. Das klingt nun ja gar nicht mal so schwer. :D

      @ Christian : auf dem Typenschild steht HK. Bereifung ist wie du schon richtig erkannt hast 8.3-32.
      Was meinst du mit Erhöhungen unter den Kotflügeln? Diese "Böckchen" zwischen Kotflügel und Achstrichter? Die sind vorhanden. Jedoch beide auf einer Seite komplett ausgerissen.
    • Hallo Nils,

      das auf dem Typenschild HK bezweifle ich ja gar nicht.

      Die Kotflügelerhöhungen sind U-Stähle, die etwa eine Höhe von 8-10 cm hatten und in der Regel zwischen Kotflügel und der Bodenplatte des Umstürzbügels befestigt sind.
      Diese kann ich auf den ganzen Bildern nicht erkennen.


      Schöne Grüße,
      Christian
    • Sollte auch kein Angriff sein ;)

      Ich dachte immer dass 32 Zoll auch schon als Hochrad gelten?

      Schau mal in meinem zweiten Beitrag auf dem dritten Foto. Wenn wir das Gleiche meinen sieht man die Teile dort minimal. Oder meinst du was anderes?
    • Heute hab ich auch nochmal 5 Stunden am Deutz zugebracht bzw. vielmehr mit den Teilen davon. Die Bremspedale und Gestänge, Gasgestänge und Pedal, Lichtmaschine Riemenscheibe von der Hydraulikpumpe wurden entlackt und auch schon grundiert.
      Nur entlackt sind außerdem noch der Anlasser, Krümmer vom Luftfilter und die Sitzfeder mit Stoßdämpfer sowie die erste Hälfte der Oberseite vom Tank. Hier sind mindestens 4 Schichten Lack drauf. Abartig !

      Des weiteren hab ich die Lampen von der Spritzwand demontiert. Das Tragrohr der Lampen ist innen komplett ausgerissen und außen wurden Knotenbleche stümperhaft reingebraten. Hier werde ich alles entfernen und ein neues Rohr einschweißen.
    • Original von Nils_Heinen
      ...... Bremspedale und Gestänge, Gasgestänge und Pedal, Lichtmaschine Riemenscheibe von der Hydraulikpumpe wurden entlackt und auch schon grundiert.


      Hallo Nils_Heinen,

      da hast du dir ja ein schönes Projekt mit viel Arbeit zugelegt ;)
      Wie entlackst du die Teile? Mit Schleifpapier und Drahtbürste? Oder strahlst du die Teile?
      Ansonsten weiter so.

      Glückauf

      Udo :)
      DEUTZ D25.1-N Bj. 1960
      Nummer 7472/1780
      Motor F2L 712
      25 PS
    • Hallo Udo,

      in der Tat ist da einiges an Arbeit dran. Sah bei der Besichtigung nicht so heftig aus, sonst hätte ich die Finger davon gelassen bzw. meiner Bekannten nicht zum Kauf geraten. Aber ich liebe ja die Herausforderung :D

      Also ich handhabe es so, dass ich alles was sich strahlen lässt auch strahlen lasse. Habe da einen Bekannten der ne eigene Firma hat und im Saarland der beste ist für sowas.

      Die Pedale z.B. habe ich mit einer Zopfbürste aufm Winkelschleifer entlackt. Wären zwar auch strahlbar gewesen, aber bis ich die Büchsen entsprechend verschlossen hätte, dass kein Strahlgut diese beschädigt hab ich diese dann auch geschliffen. Bei großen Teilen (Tank) oder verwinkelten (Lenkung) ist das halt recht aufwändig und auch sehr dreck-intensiv. Aber bevor ich da irgendwo Sand drin hab ist es mir so lieber.
    • So heute ging es fleißig weiter. Während Eva (das ist die Frau die ihrem Mann den Traktor schenkte) den bereits Gestern demontierten Schalthebel entlackte habe ich den Traktor hinten aufgebockt, Räder abgeschraubt und die Bremstrommeln geöffnet. Beläge hatten zwar noch ordentliche Stärke, aber waren vollkommen verhärtet. Also hab ich alle Beläge entfernt, die Backen entrostet und gleich neu grundiert (sieht man auf dem letzten Foto).

      Was sich aber Gestern zu Tage förderte als ich den Schaltdeckel abnahm war echt unfassbar. Anscheinend war der Vorbesitzer echt zu geizig mal in ein paar Liter neues Getriebeöl zu investieren. Denn die Pampe die ich da vorfand wurde schon seit Ewigkeiten nicht mehr gewechselt. Falls es nicht sogar noch das erste Öl von 1956 war 8o

      Da bin ich ja fast schon froh, dass ich das Getriebe zum Abdichten teilen muss, denn so kann ich es auch gut durchspülen.

      Des weiteren habe ich heute noch die Zapfwelle aufgebaut und den Flansch komplett zerlegt. Das Lager ist hinüber. Simmerring steinhart und bei der Demontage brach noch ein Seegering. Morgen werd ich die Teile dann mal in neu besorgen sobald ich das Lager von der Welle gebracht habe.
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    • Gestern ging es nochmal ein gutes Stück voran. Nachdem ich zunächst bei einem Bekannten war, der aktuell die 18 PS Version vom 612er restauriert und ich mir noch einige Tipps geben ließ machte ich mich bei mir an Werk. So habe ich die Dieselleitungen am Motor noch alle entfernt und die Ventildeckel abgenommen. Hier war bereits ein Spezialist an den Kipphebeln tätig. Dieser hatte wohl keine Distanzscheiben und selbstsichernde Muttern zur Hand und hat kurzerhand normale U-Scheiben und Muttern verwendet und Letztere einfach mit einem Schweißpunkt befestigt...

      Dann ging es an den Ausbau der Handbremsscheibe. Der Simmerring natürlich komplett hart und die Welle der Scheibe völlig eingelaufen an der Dichtstelle. Carsten hatte das Problem an seinem aber auch ! Scheint wohl eine allgemeine Krankheit bei diesem System zu sein? Dann gings an die Demontage des Schutzblechs der linken Bremstrommel, dem zerlegen des Gestänges vom Bremsnocken um anschließend die Steckachse ziehen zu können. Hier habe ich dann die Kontermuttern gelöst und bin bis zum Lager gekommen. Das müsste sich ja normal abziehen lassen oder? Hatte Gestern kurz mit dem Montiereisen dran gehebelt, aber bewegte sich noch nicht. Habe es mal über Nacht mit WD-40 einwirken lassen.

      Der Lagerdeckel für die Handbremse wurde entlackt und grundiert, ebenso das Band wo die Beläge aufgenietet werden (wobei dieses sandgestrahlt wurde), ebenso das Frontzugmaul. Das Halteband der LiMa erstrahlt in glänzendem Schwarz, ebenso der Lenksäulen-Blinkschalter welcher nun aussieht wie neu.
      Dann gibts hier noch ein Vorher-Nachher Foto vom Tank. Ein Foto als er komplett blank geschliffen war, habe ich leider nicht gemacht. Ich denke das könnt ihr aber verkraften ;)

      Als ich die Woche begann die Kotflügel an den faulen Stellen auszuschneiden musste ich feststellen, dass der Aufwand diese zu machen größer ist als gedacht. Gestern wurde ich aber wieder beruhigt, denn Carsten hatte sich andere Kotflügel besorgt weil ihm seine zu schlecht sind. Da diese aber noch hundert Mal besser sind als meine habe ich ihm diese abgekauft.
      Ebenso sind nun schon alle großen Teile bis auf die hinteren Felgen sandgestrahlt und offenbarten mir auch mehr Arbeit als zunächst angenommen. Arbeiten von diversen Schweißkünstlern müssen anständig gemacht werden, ausgerissene Bleche erneuert werden usw.


      Heute geht es wieder weiter. Werde den Trägerbock der Vorderachse demontieren, damit dieser zum sandstrahlen gehen kann, sowie die rechte Achstrichterhälfte demontieren.
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    • @Tim : einen festen Termin habe ich nicht, versuche ihn aber bis Ende Juni fertig zu haben !

      Heute war Eva nochmal da um diverse Teile zu schleifen. So ist der Anlasser nun komplett Blank, die linke Stange vom Bremsnocken inkl. der Halterungen und die Lenkung schon zum Teil.

      Ich habe derweil das Armaturenbrett zerlegt, den Trägerbock der Vorderachse demontiert und versucht den Mähwerkshebel abzubauen. Der Sitzt gut fest auf der Welle drauf. Da muss ich noch etwas Geduld haben. Beim Versuch die rechte Steckachse zu ziehen bin ich leider auch gescheitert aufgrund der Differentialsperre. Gibt's da nen Trick?
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    • In der Zwischenzeit hat sich wieder einiges getan.

      Die Ersatzkotflügel wurden zerlegt und ebenfalls zum sandstrahlen gefahren. Ebenso die Felgen von Hinten nachdem die Reifen abgezogen waren.

      Letzte Woche Samstag habe ich dann den Motor vom Getriebe abgeschraubt und bei Seite gestellt. Das Getriebe wurde dann auf die linke Achsseite gelegt (wie im Werkstatthandbuch angegeben) und mit meinem kleinen Abzieher den ich verliehen hatte, aber nun wieder zurück hatte ging der Hebel dann auch runter. Die Schrauben rundherum hatte ich dann noch entfernt und das war es für samstags dann auch.

      Sonntag habe ich dann die Getriebehälften getrennt, die Dichtflächen sauber gemacht, mir eine neue Dichtung angefertigt und den Mähwerksantrieb rausgeworfen. Die neuen Dichtungen wurden mit Hylomar eingeklebt und die Hälften wieder aufeinandergesetzt und verschraubt. Nun konnte ich das Getriebe wieder in seine normale Position hieven und den Motor wieder anflanschen. Das hab ich allerdings am Dienstag erst gemacht.

      Am Donnerstag kam Eva dann für zwei Stunden zum schleifen vorbei und hat auch echt was geschafft bekommen in der Zeit.
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